Radierung (Petra Freese / Knut Fritzsche)

Wir sind eine Gruppe von Profi- und Hobby-Künstlern, die in den gut ausgestatteten Werkstatträumen der Werkstatt Bordenau die Radier-Wochenenden zum experimentellen Arbeiten nutzen. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht, untereinander Hilfestellung gegeben und neue Techniken erprobt.

Der Workshop steht allen Interessierten offen. Wir verstehen uns zwar nicht als Radierkurs, geben aber allen, die bisher die Technik der Radierung noch nicht kennen gelernt haben, ausgiebig und umfassend Hilfestellung. Die Teilnahme am Workshop ist kostenlos.

Kontaktadresse: Knut Fritzsche, Tel.: 05032/63419 oder 0171 5785505, Termine im Programm der Werkstatt Bordenau
oder Petra Freese, Tel. (05033) 3900222

Was sind überhaupt Radierungen ? Lesen Sie hier eine Einführung in die 'Kunst mit der Nadel'.

Wer hat schon mitgemacht ? Liste der bisherigen Teilnehmer. 


Petra Freese färbt die Platte ein

Radierung - Arbeit mit Nadel und Säure

Beim Betreten der Werkstatt schlägt einem Harzgeruch entgegen. Er kommt vom schmelzenden Kolophonium auf einer erwärmten Metallplatte. Eine andere Druckplatte liegt im Säurebad und ist von kleinen Gasbläschen bedeckt. Das Kratzen einer Radiernadel auf Metall dringt ins Ohr.
Im Moment dreht sich in der Radierwerkstatt alles darum, ein Bild auf die Druckplatte zu bannen. Die unterschiedlichen Wege, die die Künstler dabei beschreiten, tragen mitunter wohlklingende Namen wie Aquatinta oder Mezzotinto. Manchmal ist die Bezeichnung auch irreführend, zum Beispiel bei der Kaltnadel-Radierung - eine Warm- oder Heißnadel-Radierung gibt es nicht. Am verständlichsten ist wohl noch der Begriff der Ätztechnik.

Der Harzgeruch ist inzwischen verflogen. Die Staubkörner aus Kolophonium sind zu kleinen Punkten zerschmolzen. Sie bilden ein Raster auf der Platte, in dessen Zwischenräumen die Säure ätzen kann. Damit entstehen lauter kleine Krater zur Aufnahme der Druckfarbe. Wie bei der Strichätzung entscheidet auch hier die Zeit im Säurebad über die Tiefe der Löcher im Metall und damit über den Farbton im Druck. Lange Ätzdauer - dunkle Farbe. Bei all diesen Radiertechniken geht es darum, die Oberfläche einer Metallplatte zu verändern. Vertiefungen sollen entstehen. Diese nehmen später die Druckfarbe auf und geben sie schließlich auf der Presse an das feuchte Druckpapier ab.

Die Kratzgeräusche gehen weiter. Mit einer Radiernadel ritzt eine Künstlerin Rillen in eine Zinkplatte. Dabei entsteht zusätzlich noch ein Grat aus Metall, der ebenfalls Druckfarbe festhält und so zu einem für Kaltnadel-Radierungen charakteristischen Druckbild führt. Da die Platte der Nadel Widerstand entgegensetzt, kann man Kaltnadel-Radierungen zudem an der etwas eckigen Linienführung erkennen. Dieses 'Kräftemessen' zwischen Radierer und Platte macht einen der Reize dieser Technik aus. Greift der Künstler gar zu gröberen Werkzeugen wie Nägeln, Drahtbürsten, oder Schleifköpfen auf einer Bohrmaschine, so stehen ihm ungeahnte Ausdrucksmöglichkeiten zur Verfügung.


Knut Fritzsche bei der Druckvorbereitung

Inzwischen ist die Zinkplatte dem Säurebad entstiegen. Abgespült steht sie nun zum Trocknen am Fenster. Bevor sie den Weg in die Salpetersäure angetreten hat, bekam sie eine schützende Schicht aus Ätzgrund. In diesen ritzte der Künstler die Linien seines Motivs. Wo die Schutzschicht durchbrochen wurde, konnte die Säure das Metall angreifen und Rillen hineinätzen. Je länger die Platte im Ätzbad liegt, desto tiefer werden die Linien. Will der Künstler beim Druck unterschiedlich dunkle Linien haben, so nimmt er die Platte immer wieder aus der Säure, spült sie mit Wasser ab und verdeckt die Stellen, die nicht weiter geätzt werden sollen, mit Abdecklack. Im Ergebnis gibt das eine Druckplatte mit verschieden starken Linien.


Stephan Schäfer an der Presse

 

Fotos: Klaus Detering
Welchen Weg der Künstler auch immer beim Vorbereiten der Platte beschritten hat, beim Drucken selbst führen sie alle zusammen. Zunächst wird die Platte erwärmt, danach die Farbe aufgetragen mit einer Walze oder einem Tupfer, dann muss alle überschüssige Farbe wieder abgewischt werden. Nur in den unterschiedlichen Vertiefungen darf Druckfarbe bleiben. Unter der Presse saugt das angefeuchtete Papier diese Farbe heraus und übernimmt so das Motiv von der Platte. Jetzt entscheidet sich, ob der Druck gelungen ist, oder ob Nadel, Säure und Kolophonium noch einmal in Aktion treten müssen, um den Zustand der Platte weiter zu verbessern. Selbst für denjenigen, der die verschiedenen Radierungstechniken einigermaßen beherrscht, ergibt sich aus deren Verbindung ein weites Feld kreativer Möglichkeiten, das immer wieder Überraschungen bereithält.

 

Teilnehmer an den bisherigen Radier-Workshops waren:

Wijnand B. A. Cappelman, Hannover; Anneliese Densow, Bordenau; Petra Freese, Steinhude; Knut Fritzsche, Bordenau; Gudrun-Sophie Frommhage, Hannover; Doris Gutt, Bad Zwischenahn; Frank Herpich, Neustadt; Tobias Hoffmann, Hannover; Ariane Holik, Bordenau; Gudrun Jacobsen, Garbsen; Doris Kaltwasser, Osterwald; Jutta Korff, Wennigsen; Corinna Luedtke, Laatzen; Reinhard Luedtke, Laatzen; Mirja Meckel, Frielingen; Meikel Nagel, Bordenau; Occa von Reden, Pattensen; Swantje Post, Neustadt; Wolf Prinzler, Poggenhagen; Bernd Rose, Hannover; Stephan Schäfer, Hannover; Wolfgang Schmidt, Osterwald; Sabine Unger; Florian Vollmer, Schloß Ricklingen; Timo Vollmer, Schloß Ricklingen; Ulrike Vollmer-Rusche, Schloß Ricklingen; Jutta Wildhagen, Hagenburg;

 

 

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