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Arbeitskreis "Unser Dorf liest"Die Kolumne |
(frühere Kolumnen finden Sie im
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Der grüne Pfeil
721. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.4.2012
Huch, die Anrede hat sich ja verändert, auf Anregung eines brüderlichen Lesers, der meinte, man kann´s auch einfacher sagen. Aber ist Ihnen diese neue Anrede aufgefallen? Oder haben Sie sie überlesen? Wie sehr der Mensch eine Mischung aus Gewohnheitstier und notwendigen Neuerungen darstellt, zeigte sich in den letzten Wochen in einer Posse um ein Verkehrszeichen in einer benachbarten Stadt. Der grüne Pfeil, eine der letzten großen kulturellen Errungenschaften der untergegangenen DDR, war dort noch an einer Ampel angebracht. Dieser grüne Pfeil berechtigt zum Rechtsabbiegen, auch wenn die eigene Ampel Rot zeigt. Natürlich hat das vorsichtig zu geschehen und auch nur, wenn niemand gefährdet ist. Nun handhabten beziehungsweise fußdrückten die dort passierenden Autofahrer die Lage aus jeweils persönlicher Gewohnheit (man könnte ja auch die Existenz des grünen Pfeils aus politischen Gründen ablehnen und bewusst nicht zum Rechtsabbiegen nutzen) so unterschiedlich, was eben zu Unstimmigkeiten und Verstrudelungen im Verkehrsfluß führte. Die Stadtverwaltung beschloss, diesen grünen Pfeil abzubauen. Daraufhin ergab es sich, dass einige Autofahrer auf Grund ihrer Gewohnheiten von der weiteren Existenz dieses Verkehrszeichens ausgingen, obwohl sie bei genauerem Hinsehn hätten sehen können, dass das Schild nicht mehr da ist. Das alles führte wieder zu einem teilweise behupten Durcheinander. In dieser schild(bürgerstreich)losen Lage entschloss man sich, nun dort ein Schild anzubringen, das darauf hinweist, dass der grüne Pfeil nicht mehr da ist. Sie, liebe Leser, können sich jetzt ja vorstellen, was weiter passierte: Einige sehen das Schild, andere nicht, andere können nicht lesen oder nicht so schnell die Bedeutung erfassen, und die Verwirrung ist perfekt. So kann es einem mit Veränderungen gehen, man wird einfach übersehen, übergangen, überlesen. Ich hoffe nur, dass Sie diese kleine, grüne, pfeilhafte Kolumne gefunden haben, obwohl es nicht mehr heißt: Hochverehrte Leserschaft. Oder sollten wir eine großformatige Anzeige schalten, um darauf hinzuweisen?
Welttag des Buches
720. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.4.2012
Anfang der Woche war der Welttag des Buches. Ach, das haben Sie schon wieder vergessen? So ein Welttag ist doch was Besonderes, den gibt es heutzutage für alle möglichen Anlässe, zum Beispiel den Tag des Linkshändertelefons oder den Tag des Museumsklodeckels. Wenn Sie es schon vergessen haben, dann drängt sich doch die Frage auf, wann Sie zum letzten Mal ein Buch in Händen gehalten haben. Und womöglich auch gelesen. War es ein Fachbuch? Oder ein Bilderbuch? Gar ein Roman? Haben Sie das Buch zum Abstützen des Regals oder als Einschlafhilfe benutzt? Und was für Bücher lesen die Menschen? Fantasie oder Wirklichkeit, Krimis oder Biografien? Um sich in andere Welten zu träumen oder sich mit der Realität zu konfrontieren? Als Trost? Als Erheiterung? Wenn man so will, dann gibt es genauso viele Bücher wie Menschen, und jeder ist ein bisschen anders. Und Bücher über Bücher gibt es auch. Und auch das Buch der Bücher! Also bleiben Sie dran. Lesen Sie einfach mal wieder was Vernünftiges, an Tagen wie diesen oder anderen, es ist ja noch kühl genug. Und übrigens: Mitte Mai ist Muttertag, der Welttag der Mutter sozusagen. Nicht vergessen, denn ein Tag, an dem du nicht gelächelt hast, ist ein verlorener Tag. Aber den können Sie dann auch wenigstens wieder vergessen!
Der humorvolle Vogel
719. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.4.2012
Angeregt durch Hellmuth Karaseks neues Buch “Soll das ein Witz sein? - Humor ist wenn man trotzdem lacht”, das die Verabredung mit dem begrenzten Leben eben humorvoll nennt, zitieren wir von Wilhelm Busch (1832 – 1908): “Der humorvolle Vogel”
"Es sitzt ein Vogel auf dem ,Leim´
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Wie das so ist,
Und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.”
Hans Bödecker
718. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.4.2012
Heute gedenken wir einem der Gründer von “Bordenau – unser Dorf liest”. Ehren wir das Andenken an einen Menschen, der sich sein Leben lang um Leserförderung verdient gemacht hat: Hans Bödecker.
Im Namen der Vorstände, der Geschäftsstelle und der Mitglieder wenden sich heute Insa Bödecker, Malte Blümke und Udo von Alten an uns: “Liebe Autorinnen und Autoren, liebe Freunde des Friedrich-Bödecker-Kreises, am Sonntag, dem 1. April 2012 verstarb Hans Bödecker unmittelbar vor seinem 84. Geburtstag im Oststadtkrankenhaus in Hannover. Wir sind sehr traurig und werden ihn sehr vermissen. Mit seinen Ideen und seiner Überzeugungskraft hat er den Friedrich-Bödecker-Kreis aufgebaut, bundesweit zur Geltung gebracht und über viele Jahre dessen Belange tatkräftig mit Herz und Verstand geleitet.In zahlreichen Ehrenämtern und mit der Leitung des Friedrich-Bödecker-Kreises in Niedersachsen und des Bundesverbandes hat er sich unermüdlich für die Leseförderung, die Kinder- und Jugendliteratur und die Autorinnen und Autoren eingesetzt. Mit seinem gewinnenden Wesen, seinem enormen Wissen und seiner unerschöpflichen Energie ist es ihm gelungen, etwas aufzubauen, was fürzahlreiche Menschen zum Vorbild wurde. Wir verdanken ihm viel und können uns nur schwer vorstellen, ohne ihn auszukommen. Seine Lebensleistung wird uns immer Ansporn sein, in seinem Sinne weiterzuarbeiten. Bei der nächsten Autorentagung "Treffpunkt Hannover" werden wir im Kreise der Autorinnen und Autoren, die ihm immer wichtige Partner waren, seiner gedenken: Hans Bödecker * 3. April 1928 ? 1. April 2012”
Christoph Schlingensief
717. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.4.2012
Heute lädt Pastorin Kirsten Kuhlgatz zu einem ganz besonderen literarisch-musikalischen
Abendgottesdienst am 15. April, 18.00 Uhr, in die St. Thomaskirche nach Bordenau - mit Texten von
Christoph Schlingensief aus seinem autobiografischen Text: “So schön wie hier kann`s im Himmel gar nicht sein“.Christoph Schlingensief ringt um das Leben. In seinem veröffentlichten Tagebuch über seine Krebserkrankung können wir davon lesen, was ihn bewegt im Zusammenhang seiner Schmerzen, seiner Hoffnung und widerstreitender Gedanken und Gefühle. Mit noch nicht einmal 50 Jahren stirbt er. Der Provokateur. Der Film-, Theater- und Opernregisseur, der so viele Themen zur Sprache gebracht hat, manchmal jenseits des guten Geschmacks, aber immer mit Leidenschaft und aus vollem Herzen. Schlingensief ringt mit der Angst und hadert mit denen, die Angst machen; fragt nach der Freiheit und dem, was sie einschränkt. Hat seine Vorstellungen von Gott, Jesus und Maria und stellt die Liebe in den Mittelpunkt. Seine Sprache ähnelt der der Psalmen mit ihren existentiellen Fragen. Gemeinsam mit
„Unser Dorf liest“ widmen wir uns im Abendgottesdienst am 15. April diesen existentiellen Fragen, hören biblische Texte und Tagebuchaufzeichnungen von Schlingensief und erleben Orgelmusik und vielleicht auch Klarinettenklänge. Keine leichte Kost und bestimmt unter die Haut gehend. Herzliche Einladung dazu! “
Es lesen Vera Urich, Annegret Scholz, Andreas Wittich und Martin Drebs. Es
spielen Daniel Morgner (Klavier), Andreas Wittich (Klarinette) und Bianca El
Mabrouk (Gesang). Der Eintritt zu dem Gottesdienst ist natürlich frei. Die
Kollekte ist für Schlingensiefs Opernprojekt in Afrika gedacht
Die erste Kolumne
716. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.3.2012
Zur 2001. Ausgabe der Neustädter Zeitung gratulieren wir vom lesenden Bordenau ebenfalls ganz herzlich und auch mit großer Dankbarkeit. Hat es uns doch die Neustädter Zeitung ermöglicht, seit nahezu 15 Jahren und das fast jede Woche zu nun mehr als siebenhundertundfünfzehn (715.) meist literarischen Kolumnen verholfen. Aus dem historischen Charme der Plausibilität heraus möchten wir Ihnen, liebe Leser, noch einmal die allererste Kolumne hier präsentieren. Lesen Sie selbst, was wir damals vorhatten und was heute daraus geworden ist (erstmals veröffentlicht in der Neustädter Zeitung am 3.9.1997 ):
"An dieser Stelle und mit diesem Zeichen will das Projekt „Unser Dorf liest" in Bordenau in jeder Woche in der Neustädter Zeitung auf sich aufmerksam machen. Und zwar durch kleine erlesene literarische Delikatessen und lohnenswerte Hintergrundberichte. Ziel des Projekts „Unser Dorf liest", das der renommierte Friedrich-Bedecker-Kreis ins Leben gerufen hat, ist es, möglichst viele Menschen auf die unterschiedlichste Weise (wieder) für das Lesen zu begeistern und stärker in das kulturelle Leben im Dorf einzubinden. Geplant sind unter anderem Erzählabende, Vorlesestunden, Schreibwerkstätten, Mundartgeschichten, Lesekreise zu klassischer und aktueller Literatur, Bücherausstellungen und vieles andere mehr. Wie sich das Projekt entwickelt, können Sie auch an den Texten in dieser Zeitung „ablesen“. So soll hier in der kommenden Woche ein Märchen über das Lesen stehen, es können Gedichte aus den Schreibwerkstätten veröffentlicht werden, ebenso Kindergeschichten und literarische Lebensläufe sowie eine Hitparade der meistgelesenen Bücher in Bordenau. Zu Letzterem: Ich werde dann versuchen, den Autor oder die Autorin dieses Buches nach Bordenau einzuladen. Die Fülle der Möglichkeiten scheint unbegrenzt. Sie will sich aber auch daran orientieren, was Peter Härtling, Kinderliteratur- und Erwachsenenautor einmal über die Literatur für Kinder gesagt hat: „Bücher, die ich meine, sollen nicht beschwichtigen, sie sollen beunruhigen und wecken. Neugierig sollen sie machen auf Menschen und Dinge, auf das Unbekannte im Bekannten, sogar auf das Unmögliche. Bücher können zu neuen Gedanken herausfordern. Denk weiter, rede weiter, erzählt weiter. Trau Deiner Phantasie, aber lasse sie die Wirklichkeit nicht vergessen: Das sind Leitlinien, auf denen Sätze für Kinder geschrieben werden können. Und dies alles nicht ohne Witz, Vergnügen, Liebe, Anschauung und Erfahrung, Genauigkeit, Leidenschaft, Vernunft. Und das in einer Sprache, die Empfindungen nicht verkleinert“. In diesem Sinne wollen wir Mut machen, wieder und weiter zu lesen, bis es wirklich heißt: Unser Dorf liest."
Märzgedicht
715. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.3.2012
Noch ein Märzgedicht, diesmal von Johann Wolfgang von Goethe:
“Es ist Schnee gefallen, denn es ist
noch nicht Zeit, dass von den Blümlein allen, dass von den Blümlein allen, wir
werden hoch erfreut. Der Sonnenblick betrüget mit mildem, falschem Schein, die
Schwalbe selber lüget, die Schwalbe selber lüget, Warum? Sie kommt allein. Sollt
ich mich einzeln freuen, wenn auch der Frühling nah? Doch kommen wir zu zweien,
doch kommen wir zu zweien, gleich ist der Sommer da."
"März" von Caroline Hartge
714. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.2.2012
Wir wollen in diesem Jahr einige der wunderbaren Gedichte von Caroline Hartge aus Garbsen veröffentlichen. Sie hat für Bordenau Kalendergedichte zusammengestellt. Zum März schickt uns die Dichterin ein Gedicht aus ihrer Sammlung “Wilde Brombeeren”. Stören Sie sich, geneigter Leser, bitte nicht an der Kleinschreibung und den fehlenden Kommata, das gehört zur dichterischen Freiheit:
“märz
wo der wind nicht hinkommt ist es warm
der fluß schläft nicht unter den brücken
er möchte vor dem frühling ankommen geht eilends seiner wege
die eine weide dicht an der brücke
die untersten äste hängen eisverkrustet
die obersten halten die kätzchen ins licht
es dauert lange über die brücke zu gehen
mit einem eiszapfen unsere namen auf das rotverblichene geländer geschrieben; der wind
tilgt sie im handumdrehn”
Das Narrenschiff
713. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.2.2012
Nun füllen sie dieser Tage wieder die Straßen und Gassen; doch das Narrenschiff des Sebastian Brant (1457–1521), 1494 gedruckt von Johann Bergmann von Olpe in Basel, fährt schon länger in der Welt und hält den Menschen den Spiegel vor:
„Es lebt die Welt in finstrer Nacht
Und tut in Sünden blind verharren;
Alle Gassen und Straßen sind voll Narren,
Die treiben Torheit an jedem Ort
Und wollen doch nicht haben Wort.
Drum hab ich gedacht zu dieser Frist,
Wie ich der Narren Schiff' ausrüst:
Denn ein Schiff könnt nicht alle tragen,
So groß ist jetzt der Narren Zahl.“
„Ein jeder will der erste sein;
Viel Narren und Toren kommen drein,
Deren Bildnis ich hier hab gemacht.
Wär jemand, der die Schrift veracht't,
Oder einer, der sie nicht könnt lesen,
Der sieht im Bilde wohl sein Wesen
Und schaut in diesem, wer er ist,
Wem gleich er sei, was ihm gebrist.
Den Narrenspiegel ich dies nenne,
In dem ein jeder Narr sich kenne;
Wer jeder sei, wird dem vertraut,
Der in den Narrenspiegel schaut.“
Wie wir der Presse dieser Tage entnehmen konnten, planen die Fußballgewaltigen nun zur besseren Überwachung der Stadioverbote eine Gesichterkennung, welche ja auch bei Facebook angedacht ist. Das aber hat Paul FF.Cornelius in seiner 2007 im Rübenberger Verlag erschienenen utopischen Erzählung “Mediapolis – Augenblicke einer Jugend” schon für seinen Helden Phil voraus gesehen, obwohl Phil gar kein Hooligan, sondern er ein bilderüberfluteter junger Mann ist : “Und im Stadion sind überall Kameras aufgebaut mit verdächtigen, langsamen, doch steten Bewegungen. Sie lauern ihm auf! Auch hier! Er kennt die Geräte, die ihn ins Auge fassen wollen, kennt ihren umherscheifenden Blickwinkel und duckt sich immer wieder. Wenn der Schwenk der Kamera weiter streicht, fühlt er sich wohl, fast gerettet. Was er nicht wusste ...in der Überwachungszentrale des Stadions: Alle eingehenden Gesichterbilder werden mit gespeicherten Gesichterbilderdaten gesuchter mutmaßlicher Verdächtigen abgeglichen. Die Klinik hatte seine Daten schon herausgegeben und ließ ihn suchen. Da klingelte der Computer – eine Identifizierung: Phil - und es klingelte wirklich, aber elektronisch, so wie in den neuesten digitalen Fotoapparaten das Schließen und Öffnen der Blende mittels eines elektronischen Signals gehört werden kann. Die neue Technik nimmt Rücksicht auf nostalgische Gefühle, sie konserviert das Sinnliche. Um die überflüssige Entkörperlichung nicht so schmerzhaft spürbar werden zu lassen, fährt auf jeder E-Lok noch ein Heizer extra mit, ein Erfolg der Gewerkschaften, und so lässt sich der Ursprung aller fortschrittlichen Zeit zurückverfolgen bis an den Anfang, in jedem neuen Schritt ist ein Stückchen wegschreitender Vergangenheit eingebaut! Die Einsatzleitung identifizierte ihn: Phil in der Menge, von ihr rhythmisiert, in der Masse ein mitreagierendes Teilchen im psychomagnetischen Kraftfeld. Man ließ nun Einsatzkräfte um ihn herum zusammenziehen. Phil sah die kraftfeldliche Gegenläufigkeit derer, die sich auf ihn zu bewegten, und blitzschnell drehte er ab, kroch ein paar Meter durch die euphemisierten Massen, überwand eine Absperrung und sprang die letzten Meter zu einem betonmauloffenen Ausgang. Er lief, lief wieder und ahnte jetzt, dass sie auch sein Gesicht gespeichert hatten. Er lief, und er fühlte sich wohl dabei, jenes stille Glück, atmen zu dürfen.
Vom furchtsamen Hasen
711. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.1.2012
In Onkel Martins Märchenstunde schenkt uns Lisa Tetzner aus ihrer Sammlung “Die schönsten Märchen der Welt”, 1984 erschienen im Luchterhand Verlag, ein besonderes afrikanisches Märchen: “Vom furchtsamen Hasen“. ”Es war einmal ein Hase, der schlief unter einem Palmenbaum. Plötzlich erwachte er und dachte: »Was wird, wenn die Welt untergeht?« In diesem Augenblick ließ ein Affe versehentlich eine Kokosnuss vom Baume fallen. Die fiel mit lautem Krach zu Boden im Rücken des Hasen. Auf sprang da der Hase: »Rette sich, wer kann; die Welt geht unter!« Und jagte querfeldein. Ein anderer Hase sah ihn laufen und rief ihm zu: »Was rennst du so schnell?« »Frage mich nicht«, rief der Hase.Aber der zweite Hase lief hinter ihm her und hörte nicht auf zu fragen. Da schrie der Hase: »Weißt du nicht? Die Welt geht unter!« Da rannte der zweite Hase hinter ihm drein. Als der dritte Hase erfuhr, warum sie liefen, setzte auch er sich in Galopp. Einer nach dem andern schloss sich ihnen an, und bald waren es an die hundert, die rannten um ihr Leben. Ein Hirsch kam ihnen entgegengelaufen. »Weißt du es nicht? Die Welt geht unter!« schrien sie. Da rannte er mit ihnen. Und es kam ein Fuchs, und es kam ein Elefant, und alle Tiere des Waldes erfuhren die Nachricht und rannten mit. Als der König des Waldes die fliehenden Tiere zu Gesicht bekam, stellte er sich ihnen entgegen am Fuß eines Hügels und brüllte dreimal. Da blieben sie stehen; denn sie fürchteten den Löwen und gehorchten ihm.»Warum flieht ihr?« fragte der Löwe. »O König«, schrien sie, »die Welt geht unter!«- »Wer hat es gesehen?« fragte der Löwe. »Ich nicht«, sagte der Elefant, »frage den Fuchs.« »Ich nicht«, sagte der Fuchs, »frage den Hirsch.« »Die Hasen sagten es mir«, sprach der Hirsch. Da fragte der Löwe einen Hasen nach dem andern, bis er an den ersten Hasen kam. »Ist es wahr, was du sagst, dass die Welt untergeht?« »Es ist so, o Löwe«, sagte der Hase, »unter dem Palmenbaum habe ich den ersten Krach gehört.« »Wohl«, sagte der Löwe, »so wollen wir beide an den Ort gehen und sehen, wie es sich zuträgt.« Da hieß der Löwe die andern Tiere warten, setzte den Hasen auf seinen Rücken und sprang davon in weiten Sätzen.Als sie zu dem Palmenbaum gekommen waren, war alles friedlich und still, nur die Kokosnuss lag auf der Erde. Da lachte der Löwe grimmig: »Eine Nuss fiel, und du meintest, die Welt gehe unter, Hasenfuß! Laufe zurück und gestehe den Tieren deine Schande.« Und das war gut so; denn wäre der Löwe nicht so weise gewesen, so liefen sie wohl heute immer noch.”
Zeit steht still
710. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.1.2012
Nun hat das Jahr gewechselt, ein neues Blatt ist aufgeschlagen im Kalender; doch was war das für ein besonderer Moment, dieser Jahreswechsel. Ich wollte den Augenblick erfassen und: Hups, weg war er! Ich wollte den Moment mitbekommen und habe ihn doch verpasst. Wie lange sollte er sein? Und wie lange hat er gedauert: Ich habe nur kurz geguckt. Und es war nur ein Bild: der Baum, das Haus, der Fluss Ist das die kleinste Zeiteinheit, die wir so gar nicht mitbekommen? Welche Zeiten durchdringen uns eigentlich? Die Lebenszeit? Jahreszeit? Tageszeit? Wie spüre ich alle diese Zeitbögen in mir? Arbeitszeit? Urlaubszeit? Wie bündeln sie sich in mir? Kann ich alles gleichzeitig spüren? Weiß ich, wie lange ich noch lebe? Glaube ich an die Ewigkeit? Ist genau dieser Augenblick ihr Anfang? Ich schaue auf die Uhr! Mitternacht und zwei Minuten? Seit Stunden schon knallen die Raketen und Böller, war das früher nicht anders und besser auf diesen einen Moment bezogen, wenn wir das Radio laut stellten und alle auf die Uhr im Fernseher starrten. Was ist das: Mitternacht? Wann erreicht die Nacht ihre Mitte? Und der Tag? Was ist ein Tag? Wenn die Erde sich einmal dreht, wenn die Sonne wieder aufgeht? Was ist das: „Sonne“? Ich glaube, ich bin für die Sonne zu langsam? Entsteht ein Mensch durch Geschwindigkeit? Und für wie lange? Gibt es ein Zeitmaß, das Gott jedem einzelnen Menschen einpflanzt? Ist denn Gott zeitlos? Ich bin jetzt die Zeit los! Ich habe nachgedacht und mehr Fragen als Antworten gefunden! Hätte ich in der Zeit etwas anderes machen können? Was bleibt? Was bleibt von diesen Gedanken? Lest Ihr mich noch? Wie lange noch? Wird mich die Zeit überleben? Schließen wir mit einem Text von John Dowland: “Zeit steht still, schau ich in ihr Gesicht, steh still und schau, Minute, Stund und Jahr, sie schwindet nicht. Wenn alles auch vergeht, bleibt sie doch ewiglich, bis der Planeten Lauf sich kehrt und Zeit heißt nicht mehr Zeit.” In diesem Sinne: ein gutes Jahr für Sie erwünscht von uns mit uns!
Weltuntergang 2012
709. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 31.12.2011
Nun wieder ein Jahreswechsel in unserer Zeitrechnung. Dazu die herzlichsten Grüße und Wünsche für ein neues Jahr. “...und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben...” heißt es in Hermann Hesses bekanntem und beliebtem Gedicht “Stufen”. Manche Zeitgenossen rechnen da eher mit Schlimmerem, zum Beispiel einem möglichen Weltuntergang, also gerade für 2012. Dabei sind die Berechnungen eines christlichen, amerikanischen Propheten schon im letzten Jahr daneben gegangen. Die anderen großen Weltreligionen haben ohnehin ihre eigene Zeitrechnung, da greift man dann schon gerne auf den Sternenkalender der Mayas zurück, die für Ende Dezember 2012 den Weltuntergang vorhersagen. Die historische Wissenschaft hat aber festgestellt, dass aus Sicht der Mayas nur ein besonderes Weltzeitalter endet, auch wenn – wie es in LORIOTs “Pappa ante portas” heißt – der Venusmond Tetra seine Umlaufbahn verlassen hat und auf die Erde zurast. Antworten wir ähnlich gelassen, das komme uns jetzt etwas ungelegen oder wie Frau Lohse meint: “Die Welt geht unter, und wir haben eine Tonne Wurzelbürsten und Badezusatz im Haus”. Also, wenn die Welt schon untergeht, wollen wir wenigstens noch schön baden oder einiges aus dem geplanten 2012 erleben, den Valentinstag vielleicht oder die Passsionszeit mit einer Lesung von Texten von Christoph Schlingensief oder die Fußballeuropameisterschaft, und wenn dann der Meeresspiegel unnatürlich hoch angestiegen sein sollte, nehmen wir die Holländer von hier mit in die Ukraine, oder den 3. Oktober, wo wir Siegfried Lenz “Landesbühne” vorlesen wollen, oder den neuen Literaturnobelpreisträger, ja und dann ist schon wieder Weihnachten, diesmal aber endlich glühlampenfrei, denn das plant die EU für 2012. Wie dem auch sei, wir lesen weiter; und vielleicht ist alles ja auch ganz einfach zu erklären: die Mayas haben einfach keinen neuen Kalender gedruckt, und deshalb fürchten sich einige vor dem Weltuntergang. Wir lesen uns jedenfalls wieder Ende 2012 in alter Frische in Ihrer Neustädter Zeitung. Achten Sie auf sich!
Weihnachtsgeschichte 2011
708. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.12.2011
Wie der Nikolaus und der Weihnachtsmann der kleinen Lena doch noch zu richtigen Stiefeln verhalfen
von Paul Cornelius
Es wurde Advent, und nach dem großen Nebel fielen die ersten Schneeflocken durch die feuchte Kälte. Anfang Dezember machte sich der Heilige Nikolaus auf den Weg, um möglichst vielen, vor allem bedürftigen Kindern zu helfen und ihnen etwas Schönes und Nützliches zu schenken. So war es Brauch von Alters her, niemand wusste, wann diese Tradition entstanden war in der großen Kirche. Der 6.Dezember war dafür vorgesehen; am Abend vorher mussten die Kinder ihre geputzten Schuhe in den Flur stellen und am Morgen fanden sie darin, was sie so brauchten: Süßigkeiten, Spielsachen, auch schon mal ein Schulheft oder wärmende Socken. Und weil die Kinder gerne viel bekommen wollten, stellten sie alsbald immer größere Stiefel hin, die am Abend vorher blitzblank geputzt wurden. Nur die kleine Lena scheute sich, ihre alten, zerrissene Stiefel aufzustellen. Sie schämte sich, weil die Stiefel so alt waren und sich gar nicht mehr richtig putzen ließen. Lena lebte mit ihrem Vater allein in einer kleinen, armseligen Hütte am Stadtrand. Und obwohl der Vater sich um ein bisschen Wohlstand bemühte, hatte Lena jene Scham ergriffen, die sich einstellt, wenn Kinder andere Kinder sehen, denen es vermeintlich besser geht als ihnen selbst. Und was hätte Lena nicht alles zum guten Leben gebraucht: Auch Socken , neue Hefte, natürlich Kekse und vielleicht ein Kinderbuch, eine Puppe und andere Spielsachen. Darüber hätte sie sich gefreut und so versuchte sie noch, ihre Stiefel zu putzen, stellte sie aber nicht mehr in den Flur. Unterdessen war St. Nikolaus durch die Welt geflogen und hatte an seinem besonderen Tag schon viele Kinder mit mancherlei Nützlichem und Leckerem bedacht, als er auch an Lenas Haus vorbei kam und zu seinem Erstaunen feststellte, dass keine Stiefel im Flur standen. Seine Mitbringsel, auch ein Malkasten und neue Buntstifte, so einfach auf den Boden zu legen, traute er sich nicht. Das war nicht üblich, das ging einfach nicht. So zog er unverrichteter Dinge weiter, aber es ließ ihm keine Ruhe, denn im Wegfliegen hatte er gesehen, wie traurig Lena am Fenster gesessen hatte. Und da fasste Nikolaus einen Plan, um Lena dennoch die guten Sachen zukommen zu lassen: er wollte den Weihnachtsmann darauf ansetzen, Lena die Geschenke zu bringen. So machte er sich auf den Weg zu den Weihnachtsmännern , die sich weit draußen in den schneebedeckten Wäldern trafen, um sich auf ihre Aufgaben vorzubereiten. Schon von Ferne hörte Nikolaus die Hohoho-Rufe, die die Weihnachtsmänner immer wieder üben, und als er näher kam, sah er einige von ihnen die Schlitten putzen und die Rentiere füttern. In einem großen Lager stapelten sich die vielen Geschenke, die hier von fleißigen Helfern verpackt und adressiert wurden. Die Weihnachtsmänner mit ihren roten Mänteln und falschen weißen Bärten waren erst seit einiger Zeit in Mode gekommen, um das Christkind bei dessen Geschenkaktionen zu unterstützen. Als Nikolaus endlich ankam, machten die Weihnachtsmänner von ihrem Training gerade Pause; sie saßen um einen großen Tisch herum, spielten Karten und tranken Coca Cola und andere berauschende Getränke . Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, die so gar nicht an Weihnachten denken ließ, und Nikolaus hatte mehr den Eindruck von trunkenen Rabauken als von wirklichen Weihnachtsmännern, die den Kindern mit ihren Geschenken so viel Freude bereiten sollten. Es fuhr ihm wie ein Stich ins Herz, wenn er an die traurige Lena in der kargen Hütte dachte, und hier glänzte und glitzerte es von überbordender Pracht. Da trat Nikolaus zwischen die Weihnachtsmänner und rief mit lauter Stimme: „Ja, seid ihr denn alle noch zu retten? Ihr sitzt hier rum und spielt und macht und feiert, und überall in der Welt warten die Kinder auf ihre Geschenke.“ „Jetzt mach mal halblang , du komischer Vogel mit Bischofsmütze und einem Buch in der Hand!“ gaben die Weihnachtsmänner zurück. „Das ist die Bibel , ihr Pfeifen,“antwortete der Nikolaus, „wisst ihr denn nicht, dass das Ganze mit Christi Geburt zusammenhängt?“ „Na klar“, sagten die Weihnachtsmänner, „in der Weih-Nacht wird den Menschen das Christkind geschenkt, und dann beschenkt das Christkind die Menschen, und wir sind das Bodenpersonal und wir heißen auch so.“ - „Da merk ich aber gar nix von, von eurer Schenkensfreude.“ „Du Spaßvogel“, antworteten die Weihnachtsmänner, „es ist doch jedes Jahr mehr geworden, die Kinder wissen schon gar nicht mehr, was sie sich wünschen sollen bei all der Werbung und dem Reklame-Licht“, Nikolaus gab zu bedenken: „Ihr kennt ja nur die Sonnenseite des Lebens, sozusagen den Lichterglanz, und den Schatten kennt ihr nicht.“ „Hohoho“, staunten die Weihnachtsmänner, „was denn für ein Schatten. Erzähl mal!“ Nikolaus legte los: „Ich kenne da ein kleines Mädchen mit Namen Lena, das hat gar nicht so viel, und weil es sich für seine Armut schämt, stellte es nicht mal die Stiefel raus, damit ich, der Nikolaus, da was rein tun könnte.“ „Das gibt’s doch gar nicht,“ riefen die Weihnachtsmänner durcheinander, „da müssen wir was unternehmen. Wo wohnt denn diese Lena? Und wie spät ist es ? Ist es schon der Heilige Abend?“ - „Ja, morgen schon“, lachte Nikolaus. Sofort packten die Weihnachtsmänner die Spielkarten und die berauschenden Getränke weg und beratschlagten, was zu tun sei. Als erstes gingen sie ins Geschenkelager und fragten den Vorsteher, ob noch ein paar Geschenke übrig sind, die man Lena schenken könnte Dann verabredete man sich, mit Nikolaus am Heiligen Abend gemeinsam Lena zu besuchen, so dass dann sowohl die Weihnachtsmänner als auch Nikolaus die Geschenke abliefern konnten. Und Nikolaus kannte eben den Weg zu Lena. Bei Petrus wurde richtig Schnee bestellt, um schneller mit den Schlitten fahren zu können, und so machte sich am kommenden Tag die ganze, große Gruppe auf den Weg, jeder wollte dabei sein, man schlug sich um die besten Plätze; so was hatte die Welt noch nicht gesehen. „Doch halt!“, rief der Nikolaus, „wir brauchen noch neue Stiefel.“ Ein Weihnachtsmann rief laut: „Ich hab noch welche in Kindergröße!“ Nikolaus freute sich: „Das ist gut. Her damit!“ So kamen sie am Heiligen Abend an der Hütte an. Vater und Tochter saßen am Abendessenstisch und schauten in das Schneetreiben. Vor der Hütte hatten sie notdürftig einen kleinen Baum geschmückt. „Kommt“, flüsterte Nikolaus , „wir gehen hinten herum und bauen dann alles im hinteren Zimmer auf.“ Gesagt, getan! Und als alles vollendet war, ließen sie ein kleines Glöckchen ertönen, um die beiden auf die Geschenke aufmerksam zu machen. Da sahen sie, wie Lena vom Tisch aufstand und durch die Hütte in den zweiten Raum ging , die Tür öffnete und erstaunte: „Mein lieber Vater, was hast du mir da alles geschenkt? Das ist doch viel zu viel für mich. Ich lauf mal schnell zu meiner Freundin rüber, dann können wir zusammen spielen.“ Der Vater war vielleicht überrascht und rief Lena noch nach: „Zieh doch auch die neuen Stiefel an!“ Dann suchte er am Fenster irgendjemand zu erhaschen, der ihm das alles ermöglicht hatte, es musste wohl einen noch größeren Vater geben , der die kleinen Väter beschützt. Nikolaus sah ihn und lächelte; er stapfte in die Winterlandschaft hinein und fiel wie jedes Jahr Ende Dezember in einen tiefen Winterschlaf. Im Hinüberdämmern sah er wie im Schlummerbildchen Männer mit roten Mänteln und weißen Bärten und murmelte zufrieden: „Es ist doch gut, dass es die Weihnachtsmänner gibt!“
Paul auf den Bäumen
707. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.12.2011
Mit freundlicher Genehmigung von Chris Rasche-Hüsch dürfen wir eine wunderbare
Geschichte von Hanns Dieter Hüsch veröffentlichen:
Die Geschichte von ‘Paul auf den Bäumen’
(Der sich am liebsten dort aufhält und)
... der nach seinem Ausbruch aus der Anstalt durchs Land streift
Und die Nächte hier und dort verbringt
Habe den vorletzten Heiligen Abend
In einem leeren fahrenden Güterwagen verbracht
Und um die Nacht zu verteilen und den Schlaf zu Vergessen
Habe er in völliger Dunkelheit
So beschwört er
Mit Kreide auf die 4 inneren Wände des Güterwagens
Alles was in ihm gewesen
Drauf geschrieben und gekritzelt
Beschwört er
Immer ohne zu wissen
Was er nun schreibe und ob es anderntags leserlich sei
Bis alle Wände
Er habe sie mit der Hand abgetastet
Voll Kreide und Schrift gewesen
Dann wäre er eingeschlafen
Und sei am Morgen erwacht
Irgendwo in der Welt zwischen Brisbane und Stavanger
Und er habe die Tür geöffnet,
Und Licht sei geworden
Und auf den Wänden
Voll Lebenszeichen und Hilferufen
Wutausbrüchen und Sanftmut und Jahreszahlen
Habe auf einmal gestanden
Überall, hinter- und übereinander
Und unter und durcheinander
Und überall,
Sogar an der Decke des Wagens
Und auf dem Boden
Die er beide gar nicht beschrieben
Beschwört er
Habe auf einmal deutlich zu lesen
Gestanden: Fürchtet euch nicht
Und wäre nicht wegzuwischen gewesen
Advent
706. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 3.12.2011
Welchen Advent, welche Ankunft erwarten wir ? Und in welcher Zeit? Der erste
christliche Advent lag ja dieses Jahr sehr früh, einige Menschen kommen überhaupt erst Anfang Dezember, am besten noch mit Schnee, in ebensolche Stimmung. So geht es auch in
Rainer Maria Rilkes “Advent” so mancher Tanne: “Es treibt der Wind im Winterwalde die Flockenherde wie ein Hirt, und manche Tanne ahnt wie balde sie fromm und lichterheilig wird; und lauscht hinaus. Den weißen Wegen streckt sie ihre Zweige hin – bereit, und wehrt dem Wind und wächst entgegen der einen Nacht der Herrlichkeit.”
Ganz anders beschreibt Paul Cornelius in seinem satirischen Gedicht die Zeitbögen, die uns da noch erwarten: “Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei – Moment, Moment! Was ist´s, was durch die Lande rollt und Tausend Bürger stark ergrollt? Elf Castoren am ersten Advent, das hat die Kirche doch glatt verpennt. Die strahlen mehr als Ewigkeit, Atheisten nennen´s Halbwertszeit. Wenn dann das Christentum vergangen, wir immer noch ums Plutonium bangen. Deshalb brauchen wir jetzt auch schon, einen neuen Orden, eine neue Religion, die noch in 24 Tausend Jahren, weiß, was wir sind und Atome waren. Dann heißt´s in jedem Jahrtausend erneut, erinnert ihr euch 2011 Weihnachtszeit: Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann stehen 11 Castoren vor der Tür.”
Weihnachtsmarkt
705. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.11.2011
Am Sonntag, dem 27. November und ersten Advent, kommt es im Neustädter Land wieder zu den ersten Weihnachtsmärkten(-> Wikipedia). Bei uns in Bordenau kann in St.Thomas-Kirche alle Jahre wieder ein kulturelles Beiprogramm angeboten werden. Neben Gongklängen, Klavierspiel und Gospelchorgesang drehen sich unsere Vorlesegeschichten ab 16.30 Uhr diesmal fast alle um den Weihnachtsmann. Er ist angeklagt, dass er die Konsumfreudigkeit der großen und kleinen Menschen zu sehr angeheizt habe. Jetzt muss sich zeigen, was der Weihnachtsmann wirklich mit Weihnachten zu tun hat. Da hilft ihm vielleicht die Geschichte von Paul Cornelius: Der Nikolaus, der ja bekanntlich am 6. Dezember die bedürftigten Kinder beschenkt, konnte der kleinen Lena keine Geschenke machen, da sie sich ihrer kaputten Stiefel schämte und nicht am Abend aufgestellt hatte. Daraufhin eilt Nikolaus zu den Weihnachtsmännern, die kartenspielend und biersaufend auf ihre Aufträge warten. Doch Nikolaus kann sie mitreißen, und so kommt es zum guten Ende mit Süßigkeiten, Spielzeug und einem neuen Paar Stiefel für Lena. Bei dieser Geschichte könnte der Weihnachstmann punkten. Doch ganz anders bei der Geschichte von Judith Weidner: “Der alte Mann und das Mädchen”. Bei dieser Weihnachtsgeschichte, die übrigens beim HAZ-Schreibwettbewerb 2011 einen Preis gewinnen konnte, dreht sich alles um die richtige Weihnachtsstimmung und die ist immer wieder gefährdet. Judith Weidner wird selbst anwesend sein , um mit Vera Urich, Annegret Scholz und Martin Drebs ihre Geschichte vorzutragen.Wir dürfen also gespannt sein, ob der Weihnachtsmann seinen Job behalten kann. Die Kirche ist gut geheizt, der Eintritt ist frei, mitzubringen sind Freude und Aufmerksamkeit und ein bisschen Vorweihnachtsstimmung.
Vorlesetag
704. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.11.2011
Am Freitag, dem 18.November, kommt es wieder zum bundesweiten Vorlesetag, in Neustadt liest dann ab 14.00 Uhr der bekannte Kinderbuchautor Wolfram Hänel im Schloss Landestrost. Doch “Vorlesen” ist nicht so einfach, wie der “Nicht-Vorleser” sich das vorstellt. Fragen wir dazu den berühmten Vorleser Paul Cornelius, worauf man beim Vorlesen alles achten muss. Hier seine Antwort: “Zuerst einmal bereite ich den zu lesenden Text selber gründlich vor. Dazu lese ich ihn durch, dann laut und deutlich und schon mit Blick auf den Sinn des Textes auch entsprechend sinngebend. Und ich frage mich, wo und wie ich den Text, die Geschichte, das Gedicht vorlesen werde: werde ich stehen oder sitzen, so muss ich das auch einmal üben. Dazu bereite ich auch meinen Körper und meine Stimme durch gute Bewegungs- und Atemübungen vor. Dann gehe ich gedanklich auch auf mein Publikum zu. Wer wird da zu meiner Lesung kommen? Sind es Kinder, Familien oder ältere Zuhörer, für die ich ein bisschen lauter sprechen könnte. Wie passt der Text zum Publikum? Gibt es sprachliche Barrieren, Fremdwörter vielleicht? Dann kommt der große Tag; ich begrüße mein Publikum und nehme alle Anwesenden gedanklich wie unter einer großen Glocke mit in den Vorleseraum hinein, so dass ich niemand vergesse. Ich lasse mich auf meine Zuhörer ein. Ihre Aufmerksamkeit und Reaktion wirkt auf mein Vorlesen zurück und verändert die Farbigkeit meiner Stimme. Ich mache gute Pausen, um besondere Stellen hervorzuheben , und dann lese ich den schönen Text ganz und zu Ende und freue mich auf die Anerkennung, den Applaus, das Brot des Künstler, und die strahlenden Gesichter voller Freude und Dankbarkeit. Dann weiß ich, mein Vorlesen ist gelungen.”
Der Herbst
703. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.11.2011
Friedrich Hölderlin (1770 bis 1843) (Link
zu Wikipedia) zustimmt uns heute einmal auf den Herbst ein:
Der Herbst
Das Glänzen der Natur ist höheres Erscheinen,
Wo sich der Tag mit vielen Freuden endet,
Es ist das Jahr, das sich mit Pracht vollendet,
Wo Früchte sich mit frohem Glanz vereinen.
Das Erdenrund ist so geschmückt, und selten lärmet
Der Schall durchs offne Feld, die Sonne wärmet
Den Tag des Herbstes mild, die Felder stehen
Als eine Aussicht weit, die Lüfte wehen
Die Zweig' und Äste durch mit frohem Rauschen
Wenn schon mit Leere sich die Felder dann vertauschen,
Der ganze Sinn des hellen Bildes lebt
Als wie ein Bild, das goldne Pracht umschwebet.
Literatur aus Island
702. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 26.10.2011
Die Frankfurter Buchmesse ist vorbei, die Bücher bleiben. Ach könnte man mit den Büchern auch die Zeit kaufen, sie zu lesen, soll Schopenhauer gesagt haben. Was auch bleibt und nachwirkt ist der thematische Schwerpunkt der Messe: Island, das erdgeschichtlich jüngste Land unsere Erde. “Bücher gegen die Kälte” titulierte die Wochenzeitung “Die Zeit” ihre Buchauswahl, und wir empfehlen “Gebrauchsanweisung für Island” von Kristof Magnusson. Der Islandkenner und Erfolgsautor zeigt uns die wundersame Insel mit ihrer schroffen Exotik auf erfrischend heitere Weise und Land, Leute und Gewohnheiten in ihrer besonderen Ausprägung. So muss das kleine Volk alle Funktionen eines riesigen Landes erfüllen, von der Kindergärtnerin über den Geigenbauer bis zur Vertretung in Brüssel. Dabei geraten die Isländer selbst immer in merkwürdige, statistische Überlegungen: hatte doch Island bis 1955 die geringste Literaturnobelpreisträgerdichte der Welt, dann ab 1955 mit Halldòr Laxness plötzlich die größte weltweit, Amerika müsste 12000 solcher Preiträger haben, um mit Island mitzuhalten! Also ziehen Sie sich warm an, wenn Sie jetzt Laxness oder andere moderne Autoren aus Island lesen, es könnte ein neuer Preisträger darunter sein! Und: wir planen unsere nächste literarische Reise auf den Spuren der Island-Sagas!
Herbstlied
701. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.10.2011
In unserer 701.Kolumne seit 1997 rufen wir mal zum Singen auf:
Der Schweizer Dichter Johann Graudenz Freiherr von Salis-Seewis (1762 – 1836) schrieb 1782 das 1799 vom deutschen Komponisten
Johann Friedrich Reichardt (1752 – 1814) vertonte HERBSTLIED
"Bunt sind schon die Wälder,
gelb die Stoppelfelder,
und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
graue Nebel wallen,
kühler weht der Wind.
Wie die volle Traube
aus dem Rebenlaube
purpurfarbig strahlt!
Am Gelände reifen
Pfirsiche, mit Streifen
rot und weiß bemalt.
Flinke Träger springen,
und die Mädchen singen,
alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
zwischen hohen Reben
auf dem Hut von Stroh.
Geige tönt und Flöte
bei der Abendröte
und im Mondesglanz;
junge Winzerinnen
winken und beginnen
frohen Erntetanz."
Kleinste Kolumne ever
700. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.10.2011
Nach all den vielen Worten und vor den langen, herbstlichen Leseabenden haben wir uns eine kleine Pause verdient mit dem kurzen Gedicht von Paul FF.Cornelius. "Vor dem Sturm: Vorübergehend geschlossen , sagten die Gänseblümchen und zitterten vor Bangigkeit."
ACH DU LIEBE ZEIT
699. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.9.2011
Nur noch wenige Tage bis zu unserer einmaligen Zeitrevue “ACH DU LIEBE ZEIT”, ein literarischer und musikalischer Nachmittag, am 3. Oktober 2011 zwischen 14.30 Uhr und 18.00 Uhr in Neustadt-Bordenau im Dorfgemeinschaftshaus. Und um Sie während der heiter-besinnlichen Veranstaltung auch richtig wissenschaftlich über das Thema informieren zu können, haben wir den Hannoveraner Doktor der Physik Hartmut Grote gewinnen können. Er referiert zusammen mit seinem Gehilfen Mauthe über dieses brisante Thema: „Was ist die Zeit? Wenn mich niemand danach fragt, weiss ich es. Soll ich es einem Fragenden erklären, weiss ich es nicht.“ Das hat Augustinus gesagt. Ein Physiker wäre da vielleicht etwas weniger bescheiden. Er oder Sie hat eine Definition. Wir werden sie hören. Es gibt aber noch ein ganz anderes Problem mit der Zeit, nämlich, dass sie nicht wie Newton uns einst verkündete immer gleich abläuft, unabhängig von Raum und Bewegung. „Nein, nein“, ruft uns Einstein zu, „weit gefehlt“. Für verschiedene Objekte ist auch der Verlauf der Zeit verschieden, und zwar abhängig davon, wie und mit welcher Geschwindigkeit Sie sich durch den Raum bewegen. Deshalb lautet unser Motto: „Bewegte Uhren gehen langsamer.“ Aber es ist viel fundamentaler als „Bewegung hält jung.“ Als Passagier in einem Flugzeug altern Sie womöglich langsamer auch beim Nichtstun. (Ist es Ihr Ziel lange zu leben?) Sollte uns das in Bordenau kümmern? Ja! Wir werden mit bewegten Weckern experimentieren. Wir werden über fliegende Atomuhren hören. Wir werden dem Zwillingsparadoxon auf den Grund gehen. Gute Reise!
Roger Willemsen
698. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.9.2011
In einem Offenen Brief haben wir den bekannten Kulturjournalisten Roger Willemsen (Link zur Wikipedia) zur Mitwirkung in Bordenau eingeladen: “Lieber Herr Willemsen,wir möchten Sie ganz herzlich einladen, bei unserer Zeitrevue “ACH DU LIEBE ZEIT”, ein literarischer und musikalischer Nachmittag, am 3. Oktober 2011 zwischen 14.30 Uhr und 18.00 Uhr in Neustadt-Bordenau mit einem kurzen Text aus Ihrem Buch KNACKS mitzuwirken. Wir sind eine kleine, engagierte Literaturinitiative am Rande der Zeit und doch mittendrin, hier wirken seit vielen Jahren interessierte Menschen zur Lese- und Leserförderung zusammen. Wir haben FAUST spielend gelesen und lesend gespielt, ... im letzten Jahr haben wir Dylan Thomas´ UNTER DEM MILCHWALD als "sichtbares Hörspiel" gebracht - mit Erfolg. In diesem Jahr widmen wir uns ganz dem Thema ZEIT, wie ja die niedersächsischen Musiktage auch und übrigens auch das VGH-Literaturfestival. Es liegt in der Luft: es ist Zeit ... Neben vielen interessanten Gedichten und Geschichten, auch Hebels UNVERHOFFTES WIEDERSEHN zum Beispiel, sind wir natürlich auch auf Ihr Engagement gestoßen, wobei wir Ihre kulturelle Arbeit seit Jahrzehnten mit Bewunderung verfolgen, von Willemsens Woche über Fotoband Hongkong bis an die Enden der Welt!! Neben Ihrer Veranstaltung in Walsrode (24.9.11), zu der wir gerne kommen möchten, sind wir auf sehr interessante Stellen in Ihrem Buch KNACKS gestoßen, besonders auf Seite 178 zum Thema Veränderung von Gemälden durch die Zeit: “...auch die Zeit malt mit an der Veränderung des Bildes:” Ich habe heute dazu eine Verlagsanfrage zur Erlangung der Rezitationsrechte gestartet. Nun würde Ihre Mitwirkung, die sich dann ohne weitere Vorarbeit auf das Vorlesen dieser oder einer von Ihnen ausgewählten Stelle im Rahmen unseres Nachmittags beschränken könnte, eine sehr große Unterstützung bedeuten, weil es zeigte, wie sehr Sie solche kulturelle Initiativen wertzuschätzen vermögen. Sie sind an diesem 3. Oktober ab 18.00 Uhr im Kloster Mariensee in Neustadt am Rübenberge zu einer Benefiz-Veranstaltung des Afganischen Frauenvereins, circa 12 Kilometer von unserem Dorf entfernt. Ließe sich Raum und Zeit so "krümmen", dass Sie Lust bekämen, die literartopografische Nähe zu einer kurzfristigen Stippvisite (!) zu nutzen, wobei wir dem Publikum auf Ihr knappes Zeitfenster aufmerksam machen würden und zur Unterstützung des Afganischen Frauenvereins aufrufen könnten. Nebenbei suche ich noch die Unterstützung eines hiesigen Uhrenhändlers, der ein kleines Honorar für Sie als Spende möglich macht. Ich würde mich überzeitlich freuen, wenn Sie ans Ende des Neustädter Landes kämen - und außerdem habe ich eine Wette über einen Kasten Bier laufen, dass ich es schaffe, Sie zu uns zu “löcken”. Bitte! Bitte! Ihr Martin Drebs, selbsternannter Generalintendant der kleinsten Kulturinitiative Deutschlands”
Der "Eine-Welt-Laden"
697. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.9.2011
Ist die Erde eine Scheibe oder Kugel? Okay, wir wissen es, aber so ganz erfassen können wir es zu Fuß platterdings nicht; wir leben mit unseren Familien oder alleine in unseren Kommunen und Ländern und Sprachen, doch dass die Welt unendlich groß und rund ist, begreifen wir kaum. Von hier aus ahnen wir noch die Küsten der Meere, doch schon die Weite des Atlantischen Ozeans ist kaum vorstellbar und dann die vielen anderen Menschen auf der anderen Seite, an den vielen Ufern. Doch es ist “Eine Welt”, und so wie die Wetter zusammengehören, die Meeresströme die Erde umkreisen, so durchdringen sich Handel (China lächelt von ferne) und Wirtschaft, so auch die Streitigkeiten der Völker, unsere Geschichte und die Geschichte der Welt, das Ringen um Wohlstand und der Kampf um die Menschenrechte. Stellen wir uns für einen Moment diese Erde mit all ihren Menschen einmal als “Eine Welt” vor, in der alle Völker und Gebiete, jedes Land etwas Konstruktives zum weltweiten, brüderlichen und schwesterlichen Zusammenwirken beitragen könnte: die Deutschen ihre Gründlichkeit und Tiefe, die Italiener und Afrikaner ihre Lebensfreude, die Amerikaner ihre Großzügigkeit, die Inder ihre Spiritualität, die Schweizer ihre Sparsamkeit, die Litauer ihre Sangesfreude, die Japaner ihre Geduld, die Finnen ihre Sauna, die Araber ihre Dynamik, die Isländer ihre Geschichten, undsoweiter, und bilden Sie selbst ein paar Beispiele! Und die Welt würde zusammenwirken und lebenswert vielfältig sein. Finden Sie das unmöglich und utopisch? Schon immer haben sich Politik und Literatur bei der Formulierung von Utopien gegenseitig befruchtet. Und dieses Unmögliche haben eine Reihe Neustädter Bürger vor 20 Jahren gewagt und den “Eine-Welt-Laden” eröffnet, um mittels fairem Handel und einer Reihe ausgewählter Veranstaltungen etwas zu einer fairen Welt beizutragen. Und am Samstag feiern sie in der Mittelstraße 19 von 10.00 bis 14.00 Uhr, und dabei halten sie einen kleinen Zipfel der Utopie in Händen.
Humorlos: Loriot ist tot
696. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.8.2011
Loriot ist tot, sagt Frau Müller-Lüdenscheid.
Das glaub ich nicht, antwortet Herr Schmitze-Bordenau.
Sie: Wenn ich´s dir doch sage, ich hab´s eben im Radio gehört.
Er: Aber er war doch gerade noch im Fernseher zu sehen, mit sonner Maske.
Sie: Der Fernseher geht wieder?
Er: Eben ging er noch - vor gefühlten fünf Minuten.
Sie: Was heißt das: gefühlte fünf Minuten?
Er: Ich erinnere immer nach Gefühl.
Sie: Dann stimmt mit deinem Gefühl was nicht.
Er: Aber eben lief er noch. Guck doch mal hin!
Sie: Ich lasse mir von einem intakten Fernseher nicht vorschreiben, wann ich zu gucken habe.
Er: Mach´ doch mal was anderes als immer nur Radio hören. Darf ich dir den Mantel bringen?
Sie: Ich möchte jetzt einfach nur hier sitzen und trauern.
Er: Dabei habe ich den Fernseher mit in die Ehe gebracht!
Sie: Ach ja, und ich Wurzelbürsten und Badezusatz.
Er: Ach ja, Loriot ist tot, und wir haben eine Tonne Badezusatz im Haus.
Sie: Immer noch besser als dein Jodeldiplom.
Er: Und dein Atomkraftwerkbausatz zu Weihnachten brauchen wir auch nicht mehr.
Sie: Ich habe diesen Saftladen mit aufgebaut.
Er: Du mit deinem komischen Humor!
Sie: Humorvolle Komik, mein Lieber. Loriot ist tot!
Er: Da bin ich aber traurig.
Sie: Das hat er bestimmt nicht gewollt!
Ich habe dich so lieb
695. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.8.2011
Bei unserem Suchen und Finden für unsere
ZEIT-Revue am 3. Oktober 2011, übrigens jetzt ab 14.30 Uhr, also nach Gottesdienst und nach Mittagessen, stoßen wir auf immer schönere Texte, zum Beispiel von Joachim Ringelnatz “Ich habe dich so lieb”:
“Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
Eine Kachel aus meinem Ofen
Schenken.
Ich habe dir nichts getan.
Nun ist mir traurig zu Mut.
An den Hängen der Eisenbahn
Leuchtet der Ginster so gut.
Vorbei - verjährt -
Doch nimmer vergessen.
Ich reise.
Alles, was lange währt,
Ist leise.
Die Zeit entstellt
Alle Lebewesen.
Ein Hund bellt.
Er kann nicht lesen.
Er kann nicht schreiben.
Wir können nicht bleiben.
Ich lache.
Die Löcher sind die Hauptsache
An einem Sieb.
Ich habe dich so lieb.“
Sofja Tolstaja
694. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.8.2011
Der “Büchergarten Bordenau” lädt wieder zu einer außergewöhnlichen Lesung am Sonntag, 4. September 2011, um 16 Uhr in die Hans-Zühlke-Str. 3 bei Familie Korte ein: Sofja Tolstaja (1844-1919) - Mein Leben mit Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828-1910). Dass hochbegabte Frauen im Schatten hochbegabter Männer stehen, ist nichts Außergewöhnliches. Dem Angebeteten zuliebe leisten sie Verzicht, werden im besten Fall zu Musen, im schlechtesten zu Haushälterinnen. Dies ist auch das persönliche Schicksal der Sofja Tolstaja. Sie war blutjung, als sie den 16 Jahre älteren Grafen und von ihr verehrten Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Tolstoi heiratet. Die ersten Ehejahre bringen Erfüllung. Dreizehn Kinder werden geboren. Sofja hilft ihrem Mann bei der Abschrift seiner Werke und unterstützt ihn in Wirtschaftsdingen. Die neunzehn Jahre bis 1881, die die Familie zurückgezogen auf ihrem Landgut Jasnaja Poljane verlebt, sind für Sofja die besten ihres Lebens. „Das Bewusstsein, einem Genie und großen Menschen zu dienen, gab mir Kraft zu allem“, heißt es in ihren Erinnerungen. Und auch Tolstoi frohlockt: „Ich glaube, so glücklich wie ich ist wohl nur ein einziger unter einer Million.“ Tolstois Ruhm wächst stetig. Doch dann siedelt die Familie nach Moskau über, um den Kindern eine angemessene Ausbildung zuteil werden zu lassen. Und plötzlich scheint alles aus dem Ruder zu laufen: Drei Kinder sterben. Tolstoi wendet sich zunehmend von der Literatur ab und beschäftigt sich lieber mit religiösen und gesellschaftlichen Fragen. Er entwickelt radikale, ja verschrobene Überzeugungen. Nüchtern konstatiert Sofja: „Unser Leben ist entzweit: Ich mit den Kindern, er mit seinen Ideen .... Ich sollte selbständig anfangen, an etwas zu arbeiten, sonst vertrocknet meine Seele noch ganz.“ Als Leo Tolstoi die ebenso frauen- wie lustfeindliche „Kreutzersonate“ im Jahr 1890 zu Papier bringt, schreibt Sofja einen Gegenroman, den sie aber unveröffentlich lässt. Fünfundsiebzig Jahre nach Sofjas Tod 1919 wird ihr Werk „Eine Frage der Schuld“ im Nachlass entdeckt. Eine kleine Sensation, weil damit ein schriftstellerisches Talent zutage tritt, das bisher im übergroßen Schatten des berühmten Mannes verborgen war. Die Veranstaltung findet bei schlechtem Wetter in der St. Thomas Kirche in Bordenau, Am Kampe 3, statt – alles bei freiem Eintritt. Anmeldung mittlerweile dringend geboten: 05032/4434.
Kinder, wie die Zeit vergeht!
693. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.8.2011
Kinder, wie die Zeit vergeht! Eben noch wurden wir fotografiert und jetzt sind es nur noch wenige Wochen bis zur Darbietung zum Thema ZEIT am 3. Oktober 2011 in Bordenau . Wir wollen die Zeit nicht nur witzig, poetisch und geistreich beleuchten, sondern auch die vergangene Zeit in Bordenau erhellen . Vor über zehn Jahren veranstaltete die Stiftung Bordenau die Foto-Aktion MOMENTAUFNAHME. Ein Dorf nahm Platz auf einer Bank, und Werner Schmidt und Ingolf Heinemann fotografierten die Menschen, Gruppen, Vereine und Einzelpersonen . Seither ist viel Zeit vergangen. Manches hat sich verändert. Für unser Projekt am 3. Oktober, bei dem wir einige der Fotos als Projektionen einspielen wollen, suchen wir noch Zeitgenossen und Zeitgenossinnen, vielleicht sogar eine ganze Schulklasse von damals, die sich zu den Fotos und den darauf abgebildeten Menschen und der seitdem vergangenen Zeit äußern möchten. Bitte melden Sie sich bei Martin Drebs Tel.: 05032-1426, damit wir uns zu einem filmischen Interview verabreden können.
Uwe Tellkamp: Der Turm
692. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 27.7.2011
Uwe Tellkamp hat mit seinem Roman "Der Turm" über die letzten sieben Jahre der DDR Zeitgeschichte geschrieben. Im Zentrum steht Christian, auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Und so wie am 3.Oktober ab 11.00 Uhr in Bordenau die Uhren eine wichtige Rolle spielen, beschreibt Uwe Tellkamp Christians Begeisterung für Uhren: "Christian sah nach der Uhr: sechzehn Uhr sechsundvierzig, bald würde sie schlagen, fünf klangvolle Gongtöne würden durch Zimmer und Haus schweben. Die seltsame Konstruktion der Uhr hatte Christian schon als Kind gebannt, oft hatte er davorgestanden und sich von Meno den Mechanismus des Perpendikels und des Gangwerks erklären lassen: Alle zehn Minuten schlug die Uhr, war es zehn Minuten nach, dann einmal, zweimal bei zwanzig, dreimal bei dreißig und so fort; sechsmal für die volle Stunde, die nach einer Pause ihren Wert geschlagen bekam; war es Mitternacht oder zwölf Uhr, ertönten achtzehn Gongschläge. Was Christian aber am meisten beeindruckte, war die zweite Uhrenscheibe unter dem Ziffernblatt, ein fleckig nachgedunkelter Messingkreis, an dessen Rand der Zodiakus eingraviert war; ein breiter Rahmenzeiger, im Zentrum das Sonnenzeichen, wies die Sternenzeit. In die Kreisfläche waren Sternbilder eingepunzt, die Hauptsterne hatte der Graveur etwas größer als die übrigen markiert und durch Nadelrißlinien miteinander verbunden. Schlangenträger, Haar der Berenike, Nördliche Krone, Walfisch -- Christian erinnerte sich an die Bezauberung, die diese Worte und dann die lateinischen Übersetzungen in ihm bewirkt hatten, wenn Meno sie halblaut und beinahe wehmütig gesprochen hatte vor der Uhr, dabei auf die Gravuren weisend - das erste Mal an einem Abend vor etwa zehn Jahren, als sie ihm, dem siebenjährigen Christian. wie eine unbestimmbare, aber angenehm wirkende Substanz ins Ohr geträufelt waren..."
Musik der Dorfmusikanten klingt aus
691. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.7.2011
Bordenau liest und schreibt und singt und musiziert. Ein guter Klang geht nun zu Ende: Die Blasmusik der Bordenauer “Dorfmusikanten”. Aus Alters- und Gesundheitsgründen muss das 1987 unter anderem von Martin Sorgatz, Werner Kellner und Horst Krüger gegründete Ensemble die Instrumente ablegen. Dabei hatten sie sich in den letzten Jahrzehnten in Bordenau und weit darüber hinaus einen guten Namen gemacht. Legendär waren die Weinfeste, das Dorfmusikantenstadl , das Teichfest sowie die Mitwirkung bei “Bordenau macht Musik”. Außerhalb Bordenaus gab es regelmäßige Auftritte beim Hafenkonzert in Idensen, beim Schaumburger Abend im Schmiedegasthaus in Riepen oder an Himmelfahrt in Bullerdieks Biergarten in Frielingen. Repertoire und Können hatten sich mittlerweile deutlich erweitert, neben der gern gespielten volkstümlichen Blasmusik auch etwas modernere Stücke, auch Tanzmusik und Potpourris zum Beispiel von den "Beatles", von denen es damals hieß, sie seien nicht gesellschaftsfähig, und deren Songs uns heute wie schöne Melodien klingen. Daneben glänzte die Truppe auch mit böhmischen und mährischen Volksweisen. Über 400 Musikstücke zählte die Gruppe zu ihrem Repertoire und konnte damit auf alle Stimmungen und Musikwünsche des Publikums eingehen, auch ein großer Verdienst des seit 1999 tätigen Dirigenten und musikalischen Leiters Franz Bernert. Guter Geist und Vorsitzende war auch seit 1999 die einzige Dame der Gruppe, nämlich Elisabeth Schuhmacher, deren Ehemann Erich auch mitspielte; “Sonst hätte ich das auch nicht gewagt”. Kameradschaft und Zuverlässigkeit schufen Zusammenhalt und Beständigkeit, mit schöner Geselligkeit bei Sommerfest, Radtouren oder Weihnachtsfeier, bei denen die Partner eingebunden wurden. Nun gab es keine Nachfolger, die Stimmen fielen mehr und mehr aus. Jetzt sind alle traurig, da heißt es Abschied zu nehmen. “Ich hätte gern noch weiter gespielt”, sagt Gründungsmitglied und Schlagzeuger Horst Krüger, mit seinen rüstigen 82 Jahren bewunderswertes Urgestein der Dorfmusikanten. Und Elisabeth Schuhmacher ergänzt: “Gut, es gab eben keine Jugendarbeit, wir haben die Musik gemacht, die uns gefallen hat.” Ein guter Klang klingt aus und möge noch lange widerhallen in unserer Erinnerung.
Frauen am Ball
690. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.7.2011
Nun rollt morgen das Finale der Fußball-WM 2011 USA gegen Japan, genauer der Frauen-Fußball-WM. Es hat schon etwas Selbstverständliches, was vor Jahrzehnten undenkbar war. Da hieß es nur: Mädchen machen sowas nicht! Claus von Wagner stellt sich im vorletzten “Kicker” das Ganze einmal umgekehrt vor: DFB-Präsidentin Thea Dreißiger will den Männerfußball verbieten, er sei unästhetisch (besonders beim Spucken) und schade den Männerkörpern. Und wenn Klein-Fritzchen sagt, er möchte Fußballnationalspieler werden, dann sagt ihm die ältere Schwester demnächst nur: “Du bist ein Junge! Du darfst das nicht!” Und Harald von Martenstein macht sich im “Zeitmagazin” Gedanken über die veränderte Sprache der Sportkommentatoren: “Wenn ein Männerspiel schlecht ist, sagt der Kommentator: “Ein grottenschlechter Kick. Fußball zum Abgwöhnen!” Wenn aber ein Frauenspiel unterirdisch schlecht ist, äußert sich der Kommentator immer so: “ Es ist wirklich erstaunlich, welche Fortschritte der Frauenfußball in den letzten Jahren gemacht hat.” Und die HAZ untersucht an jedem Tag ein weiteres Vorurteil gegen Frauenfußball, ob zum Beispiel Abseits oder Elfmeter-Schießen bei den Frauen anders liefe. Nun, wir wollen hier nicht richten über Unterschiede beim Frauen- und Männerfußball, oder Veränderungen in der Männer- und Frauensprache, Lesen tun wir doch auch alle unterschiedlich. Wir wünschen uns jedenfalls gleichermaßen Männer und Frauen, die sich zur hochverehrten Leserschaft zählen! Und ab 5. August dürfen auch die Männer wieder spielen. Wir freuen uns jedenfalls demnächst auf gemischte Mannschaften, Entschuldigung, Frauschaften, mit oder ohne Trikottausch!
Video Battle Turnier
689. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.7.2011
Es handelt sich nicht um Hochkultur, und hat doch tausende junge Künstler erfasst. Es berührt die Sprachkraft Goethes und ist als Sprechgesang doch verpönt: Die Welt der Rapper, aus der HIPHOP-Kultur entstanden, wie Break Dance und Graphitti, worüber unser lesendes Dorf vor einigen Jahren unter der Initiative von Malte Möller auch berichtete. Der Rap begann als Kampfgesang und wird wegen seiner zum Teil rauen Sprache als gewaltverherrlichend abgelehnt. Dabei ist er gerade in den Ghettos Amerikas entstanden, als künstlerischer Kampf, als sogenannter Battle, um direkte körperliche und zerstörerische Gewalt zu vermeiden. Starke Worte und solche, die den Gegner angreifen, gehören dazu. Nun gibt es seit einigen Jahren das VBT : Video Battle Turnier. 2008 kam übrigens der Hagener Moritz Bibow bis ins Finale. Seit diesem Frühjahr treffen dort circa 1000 (!) Jugendliche, überwiegend männlich , zusammen, um sich mit künstlerischen Mitteln zu bekämpfen: Poesie als Waffe! Da werden Beats (Rhythmusfolgen) ausgegeben, zu denen die Teilnehmer Texte texten und im Sprechgesang singen; passend dazu wird ein Film gedreht an selbst gewählten Orten, und schließlich werden Beat, Gesang und Film zu einem Videofilm zusammen geschnitten. Das ist alles nicht einfach und erfordert entsprechende Kompetenzen - und Computer und Kameras. Und das VBT hat sich eigene Regeln gegeben: so hart die Texte auch sein mögen, sie dürfen nicht rassistisch oder sexistisch sein, eine nicht immer einfache Gratwanderung. Ein Bordenauer Rapper ist nun als letzer Neustädter ins 64tel-Finale gekommen: Anton Drebs, 15. Seit Jahren schon mit Rap beschäftigt, Auftritte unter anderen beim Weihnachtsmarkt in Bordenau, hier verrappte er ein altes Gedicht und bei einem Jugendgottesdienst an der KGS zum Thema Kinderarbeit und seit 2010 auch beim VBT, erst mit dem Künstlernamen “Toni Boy”, jetzt nennt er sich “SYNTAX”. Daran hätte auch Goethe wieder seine Freude, bezeichnet dieser grammatikalische Begriff genau das, worum es geht: den besten Satzbau. Wir dokumentieren hier einen seiner frühen, eben auch programmatischen Texte: “Wir sind die nächste Generation, doch manche kennen uns schon: Eltern, Geschwister, Cousins und Cousinen, alle sind dir wohl bekannt, und sie sind außer Rand und Band, wenn sie hören: Ey, krass, kommt alle her, Party 4live (sprich: for live), es schockt so sehr! Ich geb hier den Ton an! Jetzt ist die neue Generation dran!...Die neue Generation zeigt es der ganzen Welt! Das Telefon schellt, ich gehe ran, jetzt ist die neue Generation dran.” Dann viel Erfolg auf dem Weg ins Finale. Alle Videos sind über Youtube einsehbar.
Günter Thiele
688. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.6.2011
“Wie einer ist, wie einer war , im Scheiden erst wird´s offenbar. Wir hören kaum , wenn Gottes Weise summt, und schaudern erst, wenn sie verstummt.” (nach Rainer Maria Rilke). Wir trauern um Günter Thiele.
"Gründe" von Erich Fried
687. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.6.2011
Poesie kann Mut machen und trösten. Doch manchmal gibt es auch Gründe, warum es nicht so gut klappt. Dazu das Gedicht “Gründe” von Erich Fried, der in den neunziger Jahren auch in Neustadt am Rübenberge war:
“Weil das alles nicht hilft
Sie tun ja doch was sie wollen
Weil ich mir nicht nochmals die Finger verbrennen will
Weil man nur lachen wird:
Auf dich haben sie gewartet
Und warum immer ich?
Keiner wird es mir danken
Weil da niemand mehr durchsieht
sondern höchstens noch mehr kaputtgeht
weil jedes Schlechte vielleicht auch sein Gutes hat
Weil es die Sache des Standpunktes ist
und überhaupt, wem soll man glauben?
Weil auch bei den anderen nur
mit Wasser gekocht wird
Weil ich das lieber
Berufeneren überlasse
Weil man nie weiß
wie einem das schaden kann
Weil sich die Mühe nicht lohnt
weil sie alle das gar nicht wert sind“
Das sind Todesursachen
zu schreiben auf unsere Gräber
die nicht mehr gegraben werden
wenn das die Ursachen sind.”
Wir werden dennoch weitermachen!
Junigedicht von Wilhelm Busch
686. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.6.2011
Jetzt ist der Mai vorbei und die Welt dreht sich weiter. Gibt es eigentlich kein schönes Juni-Gedicht?
Doch, wir haben eins gefunden – von Wilhelm Busch!
Den Jahreszeiten allen
Selbviert sei Preis und Ehr!
Nun sag ich: Mir gefallen
Sie minder oder mehr.
Der Frühling wird ja immer
Gerühmt, wie sich's gebührt,
Weil er mit grünem Schimmer
Die graue Welt verziert.
Doch hat in unsrer Zone
Er durch den Reif der Nacht
Schon manche grüne Bohne
Und Gurke umgebracht.
Stets wird auch Ruhm erwerben
Der Herbst, vorausgesetzt,
Daß er mit vollen Körben
Uns Aug und Mund ergötzt.
Indes durch leises Tupfen
Gemahnt er uns bereits:
Bald, Kinder, kommt der Schnupfen
Und's Gripperl seinerseits.
Der Winter Kommt. Es blasen
Die Winde scharf und kühl;
Rot werden alle Nasen,
Und Kohlen braucht man viel.
Nein, mir gefällt am besten
Das, was der Sommer bringt,
Wenn auf belaubten Ästen
Die Schar der Vöglein singt.
Wenn Rosen, zahm und wilde,
In vollster Blüte stehn,
Wenn über Lustgebilde
Zephire kosend wehn.
Und wollt' mich Einer fragen,
Wann's mir im Sommer dann
Besonders tät behagen,
Den Juni gäb ich an.
Und wieder dann darunter
Den selben Tag gerad,
Wo einst ein Kindlein munter
Zuerst zu Tage trat.
Drum flattert dies Gedichtchen
Jetzt über Berg und Tal
Und grüßt das liebe Nichtchen
Vom Onkel tausendmal.
Robert Schumann
685. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.5.2011
Frei, aber einsam? Einsam, aber frei? So starb Komponist Robert Schumann 1856. Am nächsten Freitag, dem 27. Mai 2011, kommt es ab 20.00 Uhr im Schloss Landestrost zu einer Aufführung von Teilen seines Werkes und einer kurzen Lebensbeschreibung (die Neustädter Zeitung berichtete). Von seiner Frau Clara Schumann, geborene Wieck , wurde Schumann mehr oder weniger ins noble Irrenhaus nach Endenich bei Bonn gedrängt; der Bordenauer Büchergarten beleuchtete 2007 in einer eindrucksvollen Lesung deren Leben. Der lesende Nordkreis und “Bordenau liest” hatten zusammen mit der Musikschule im Jahre 1998 in Mandesloh Peter Härtling zu Gast, der in seiner besonderen literarischen Biografie “Schumanns Schatten” eine letzte fiktive Begegnung Claras mit ihrem Mann schildert, die so eben nie stattgefunden hat: “ Sie ist eine Frau, die viel Raum braucht, vielleicht, weil sie häufig auf der Bühne steht. Alle anderen traten zur Seite. Schumann hat sie sofort erkannt. Und er ist doch wirklich schon aus der Welt gewesen. Er hat die Arme gehoben, wieder sinken lassen und wieder gehoben und sich im Bett aufgesetzt. Sie hat sich neben das Bett gekniet. Ihr Kleid raschelte. Wieder hat er die Arme gehoben, sehr langsam, gegen ein großes Gewicht, und sie umarmt. Lange haben sie sich in den Armen gelegen. Das ist wahr. Die anderen haben den Atem angehalten. Und ich habe nicht mehr hingesehen,” lässt Peter Härtling den Pfleger Robert Schumanns erzählen. Doch die Forschung widerlegt das. Uwe Hendrik Peters schreibt dazu in seiner Biografie “Gefangen im Irrenhaus”: “Clara kannte ihren Robert tatsächlich am besten. Sie hätte daher mühelos seine geistige Gesundheit feststellen können, wenn sie es darauf angelegt hätte. Getan hat sie aber das genaue Gegenteil. Wie soll man sich erklären, dass sie ihn niemals besucht hat?” Warum wohl nicht? Machen Sie sich selbst am Freitag ein Bild und genießen Sie bei sommerlichen Temperaturen allerbeste Musik.
ZEIT
684. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.5.2011
“Wissen Sie, wie spät es ist?” wurde der Kabarettist Werner Fink in den 1930er Jahren gefragt. “Kann ich nicht, denn da müsste ich Ihnen etwas über unsere Zeit sagen!” soll er mit Anspielung auf die problematischen politischen Verhältnisse geäußert haben. Und Bertolt Brecht ergänzte in den 1940er Jahren in seinem “Gedicht an die Nachgeborenen”: “Wirklich ich lebe in finsteren Zeiten, wo das Gespräch über Bäume fast schon ein Verbrechen ist, weil es das Schweigen über soviel Untaten einschließt”. Heute könnten wir fortschreiben, man müsse über Bäume sprechen, weil soviel Untaten mitbesprochen werden können, denken wir allein an die Umweltzerstörungen. Oder: alle eine Million Jahre ein Atomunfall, Kinder wie die Zeit vergeht! Nun, gar so fukuschimatisch oder tschernobolisch braucht es am 3. Oktober 2011 nicht zuzugehen, wenn sich unsere singende, schreibende und lesende Initiative mit dem Thema ZEIT beschäftigt. Finden Sie es noch zu früh , darüber zu sprechen? Was ist ZEIT überhaupt? Welche Zeitbögen spannen sich in die Zukunft? Haben Sie Ihren Urlaub Anfang Oktober schon gebucht? In welchen Zeitmaßen erinnern wir uns zurück? Erinnerungen an die Zukunft, lächelt Erich von Dänicken und hat eine passende Welterklärung parat. In welchen Zeiten leben wir eigentlich? Oder unser Nachbar? Oder Burundi? Wie ticken eigentlich die Weltreligionen? Oder was passiert in einem Moment weltweit alles gleichzeitig? Das wollen wir sammeln und präsentieren, ähnlich wie Walter Kempowski mit seinem Sammlungserinnerungswerk “Echolot”, wo er Tagebücher, Briefe und Notizen zu bestimmten Tagen der 1940er Jahre veröffentlichte. Jugend früher und heute, wäre ein schönes Thema. “In diesen Fluss steigst du kein zweites Mal”, soll ein griechischer Philosoph gesagt haben, als er das Wesen der Zeit zu fassen suchte und nach immer kleineren fassbaren Zeiteinheiten suchte, bis in unsere Zeit, in der die Schnelligkeit uns bis zur Hetze vor sich her treibt und Herman van Veen singen muss: “Geh weg, geh weg, wir haben keine Zeit...!”Haben wir mit der Sommerzeit eine Stunde gewonnen oder verloren? Lassen Sie uns also den Augenblick genießen, jenen Anfang der Ewigkeit, und wenn die Welt voller Uhren wäre (oder unsere Sportkulturhalle), für Sie, hochverehrte Leserschaft, nehmen wir uns seit vierzehn Jahren jede Woche ein bisschen Zeit. Nun nehmen Sie sich den Moment, einmal darüber nachzudenken: Die Kolumne als ZEIT-Denk-MAL! Und vielleicht gibt es ja am 3. Oktober die Wochenzeitschrift “Die Zeit” für alle Besucher umsonst! Bis dahin zweimal wöchentlich die Neustädter Zeitung preiswert!
Stephanie Jans Bordenauer Künstlerin und Verlegerin
683. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.5.2011
Heute ehren wir die Bordenauer Künstlerin und Verlegerin Stephanie Jans. Sie sieht sich selbst als besondere “Schamanin des Wortes”. Im Interview bekennt sie: “Nachdem ich ca. 20 Jahre lang eifrig alles geschrieben habe, was mir wichtig war - Gedichte, Geschichten, Rezensionen, Reden, Sachtexte - wurde mir die immerhin selbstgezimmerte Schublade "wortschaffende Künstlerin" viel zu eng. Ebenso wie sich meine literarischen und lyrischen Arbeiten veränderten, was sich etwa in den "Gebeten für alte Göttinnen" oder der "Drachenfrau" ausdrückt, veränderte sich auch mein Bild dessen, was ich mit meinem Schreiben erreichen möchte. Grundsätzlich ist Schreiben, sofern es nicht Selbstbeweihräucherung, Tagebuch oder Schnulz sein soll, immer auch eine Transformation vom persönlich Erfahrenen und Begriffenen in eine für viele verständliche und so ebenfalls begreifbare Erfahrung, ausgedrückt in Symbolen und Geschichten. Und nachdem ich über Liebe, Tod, Verlust und Freude viel und sehr Unterschiedliches geschrieben habe, habe ich während meiner schamanischen Ausbildung erkannt, wie ich mit meiner Wortarbeit eine tiefere Dimension erreichen kann.” Und so hat sie sich aus verschiedenen realistischen Schreibweisen, die doch immer schon mit phantastischen Elementen gemischt waren, in eine besonders tiefsinnige Poesie gewagt. Kostprobe gefällig? “Es ist ein/ stiller Wald der Steine,/ in dem ihr so sanft ruht./ Gewiegt vom Wind im Licht der Sterne, / beschützt vom Grün der alten Bäume. / Im Blattgrün raunen eure Leben / und mein Atem klingt hindurch./ Im Wald der stillen Steine / blüht Liebe/ neben jedem Meißelwort.” Nun ist Stephanie Jans in der nächsten Woche bei den Wunstorfern Literaturtagen zu erleben (Die Neustädter Zeitung berichtete), und zwar am Donnerstag, dem 19.Mai ab 20.00 Uhr in der Abtei mit Magischem vom Moor und Meer. Als Lyrikerin nähert sie sich mit grüner Feder den magischen Seiten der Landschaft rund um das Steinhuder Meer. In Kräutergebeten, mit Rindenrunen und allerlei Überraschungen in kurzer Prosa und Lyrik bringt sie unbekannte Facetten von Moor und Meer zu Gehör.
Literarischer Blumenstrauß? Mitnichten!
682. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 7.5.2011
Kurz vor Muttertag ein literarischer Blumenstrauß? Mitnichten! Unser Literaturnobelpreisträger von 1929, Thomas Mann, meldet sich mit einer Rundfunkansprache vom 29.Mai 1944 an unsere hochverehrten “deutschen Hörer”, um die Ereignisse in den neuen Kriegen zu kommentieren: “ Zu Anfang des Krieges, als die Engländer Deutschland mit “leaflets”, mit kleinen Propaganda-Broschüren bombardierten, erzählte man sich die Geschichte, wie ein englischer Pilot mit der Meldung zurückgekommen sei, die Umstände hätten ihm keine Zeit gelassen, die Verschnürung zu lösen und seine “leaflets” einzeln auszustreuen; er habe rasch das ganze Paket auf einmal hinunterwerfen müssen. “For heaven´s sake!” soll sein Vorgesetzter zu ihm gesagt haben. “Haben Sie nicht daran gedacht, dass Sie jemanden verletzten könnten?” - Über die Geschichte ist viel gelacht worden. Sie mag erfunden sein, aber sie ist charakteristisch für die Gemütsverfassung, in der die zivilisierten Völker ... in diesen Krieg gegangen sind. Widerwillig, seelisch so unvorbereitet wie materiell, ohne rechte Ahnung, was das eigentlich sei....Und dann haben sie gelernt. Langsam, in demselben Zeitmaß, in dem sie ihre physische Aufrüstung nachholten, haben sich England und Amerika auch seelisch auf Kriegsfuß gebracht...Die freien Völker wissen und fühlen tief, dass sie durch dieses Kondeszendieren zu den Mitteln des Gegners, dieses Herabsteigen zur Gewalt, Schaden nehmen an ihrer Seele."
Wunstorfer Literaturtage
681. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.4.2011
Das darf ja wohl nicht wahr sein. Bei den Wunstorfer Literaturtagen, dutzende Lesungen und Buchvorstellungen von Autoren aus der Meerregion vom 14. bis 22. Mai 2011 in der Abtei, Wasserzucht, die von dem Neustädter Rübenberger Verlag veranstaltet werden, sind neben Verlegerin Tanja Weiß insgesamt vier Neustädter Schreib- und Leseaktionen vertreten, so am Sonntag, dem 15.Mai, der Büchergarten Bordenau ab 15.30 Uhr mit einer Lesung im Literaturcafé: Der Spatz von Paris Edith Piaf (1915-1963). Edith Piaf, auf dem Regenmantel eines Pariser Polizisten in einem Hauseingang geboren, lebte als Straßensängerin am Pigalle unter Zuhältern und Dirnen. Ulla Domke, Helene Köhler, Johanna Korte und Vera Urich lesen aus dem bewundernswerten Bekenntnis dieser kleinen, großen Frau. (Eintritt frei).Am Dienstag, dem 17.Mai geht es um 19.30 Uhr weiter mit einer Lesung von Renate Beermann: Wenn die fremde Frau kommt. Die Neustädter Autorin liest aus der 5. Auflage ihres Kurzgeschichtenbandes, der in lustigen, nachdenklichen und rührenden Geschichten Einblick in das Umfeld der häuslichen Pflege bietet. Tatsächliche Erlebnisse und Anekdoten zeichnen ein reales Bild der Betreuer und vor allem der Menschen, zu denen die “fremde Frau” als Pflegerin kommt. (Eintritt 6 EUR) Am Mittwoch, 18. Mai 2011 gibt es ab 16.00 Uhr eine Werkstattschau der Bordenauer Schreibwerkstatt unter der Leitung von Martin Drebs: Lebensabend mit Goldrand oder Die zweite Erfindung des Glücks. (Eintritt frei) Und abends ab 19.30 Uhr die Lesung von Paul FF. Cornelius: Mediapolis, Ein Roman über Medienkonsum und die Folgen: der Neustädter Autor legt mit seinem Buch eine Art “Bilder”-Erzählung der fantastischen Art vor, eine Collage aus verschiedenen Schreibstilen, die vielfältige Aspekte des Sehens, Erkennens und der Wahrnehmung von Bildern thematisiert. Ein Guck-mal-wieder-hin-Buch der besonderen Art! (Eintritt 6 EUR) Ja, übernehmen wir denn die Wunstorfer Kulturszene? Aber gemach, es gibt noch viele andere tolle Veranstaltungen.
Zwischen Karfreitag und Ostersonntag
680. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.4.2011
Zwischen Karfreitag und Ostersonntag, zwischen Kreuzigung und Auferstehung liegen diese Worte. Das Christentum sieht nach der Menschwerdung Gottes auch das Leid, das diesem Menschen angetan wird, und er selbst bleibt ganz allein zurück und fragt Gott: “Warum hast du mich verlassen?” Dieses Kreuz der Hinrichtung wurde zum zentralen Zeichen des Christentums, nach Georg Groddeck also ein Folterinstrument! Und manche bleiben am Karfreitag hängen, an dem düsteren Ende einer Utopie, die den “Aufstand der Schwachen gegen die Starken” durch die Tötung des Religionsstifters gewaltsam beendet. Besiegelt scheint die Niederlage und der Sieg des Bösen, der unausweichliche Tod wird zum eigentlichen Bekenntnis des dann doch unmöglichen besseren Lebens. Doch die Geschichte geht weiter, wir wissen um das Bild der Auferstehung Christi, die damit stellvertretend das Weiterleben des Menschen in einer überirdischen Gemeinde Gottes garantiert. Wenn diese Erlösung komme, dann könnten die Christen aber allesamt erlöster dreinschauen, meint Friedrich Nietzsche. Und er hat ja Recht: Liebe, Glaube , Hoffnung tragen uns über den Tag hinaus, sie lassen uns spüren und hoffen auf eine neue Welt, in der manches , wenn nicht alles besser wird als hier unten. Das meint Religion als Protestation gegen das falsche Leben mit Krieg, Gewalt, Gleichgültigkeit, Flüchtlingswellen, Missbrauch und Umweltzerstörungen; diesem Protest können wir uns getrost anschließen. Und in diesem Sinne für alle ein richtig fröhliches Osterfest! Und unseren kranken Nachbarn auch!
Der Arzt im Dorf
679. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.4.2011
Noch während die Boygroup sich zu Vorsitzenden aufschwingen und gleichzeitig nach guten Landärzten suchen, feiern wir in Bordenau das
fünfundzwanzigjährige Jubiläum unseres beliebten Arztes. Und mit dem herzlichsten Glückwunsch verbinden wir ein Lob an alle Ärzte im Neustädter Land und beantworten mit
Eugen Roth die Frage: wie muss er sein, Der gute Arzt?
“Die Antwort hab´ ich da geschwind:
So, wie gottlob fast alle sind!
Der gute Arzt ist nicht zu zärtlich,
Doch ist er auch nicht eisenbärtlich.
Nicht zu besorgt und nicht zu flüchtig,
Er ist, mit einem Worte, tüchtig.
Er ist ein guter Mediziner,
Erst Menschheits-, dann erst Geldver-Diener.
Gesunde fühlen sich wie Götter
Und werden leicht am Arzt zum Spötter.
Doch bricht dann eine Krankheit aus,
Dann schellen sie ihn nacht heraus
Beim allerärgsten Sudelwetter
Und sind ganz klein vor ihrem Retter.
Der kommt - nicht wegen der paar Märker,
Die Nächstenliebe treibt ihn stärker,
(Schlief er auch noch so süß und fest)
Zu kriechen aus dem warmen Nest.
Behandelt drum den Doktor gut,
Damit er Euch desgleichen tut.”
Fortsetzung folgt mit Franz Kafkas “ Ein Landarzt”.
Ostermärchen
678. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 13.4.2011
Es war ein Ostermärchen, das spielte in einem nicht allzu fernen Land, in dem seit Langem eine Königin herrschte. Über dieses Land waren zu Ehren der Wissenschaften siebzehn riesengroße, weiße Eier aufgestellt, die allesamt mächtige Energien ausbrüteten, um die Menschen damit zu versorgen. Doch eine große Gefahr bargen die weißen Eier, denn wenn irgendetwas passieren würde, was die Versorgung dieser Eier unterbricht, dann können die Eier überbrüten und ihre Schalen könnten platzen und all die Kraft, die sie sonst so kontrolliert hervorbringen, würde sich mit verhängnisvollem Verderben über das Land legen. Das Volk und ein Teil des Hofes waren sich uneins über die Einschätzung der Gefahr. Ein Großteil des Volkes rebellierte und versammelte sich um die Eier. Da erwachte die Königin und handelte und ließ sieben der Eier stilllegen. Und das Volk, das die Eier für gefährlich hielt, jubelte und freute sich, dass ein Teil der Gefahr vorüber sei. Und so konnten sie beruhigt Ostern feiern und in Erinnerung an die ehemaligen weißen Jumbo-Eier beschenkten sich die Menschen mit kleinen bunten Eiern und spielten das Eier-Knitschspiel damit: Dabei werden zwei Eier von zwei Spielern aufeinander gehauen und geprüft, welche Schale platzt. Der andere darf dann zum Triumph “Atomleck” sagen und der andere muss alles aufräumen.
Neu eingerichtete Bücherbude
677. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.4.2011
Die Bücherbude Bordenau auf der Bordenauer Straße 10 erstrahlt in neuem Glanz: Zwei neue Regale zieren jetzt die Räumlichkeiten, so dass der interessierte Leser schneller sein Lieblingsbuch finden kann: Reisebücher, Heimatbücher, Kinderliteratur und natürlich jede Menge Belletristik, das heißt schöne Literatur wie Romane zum Beispiel. Seit fast drei Jahren bietet unsere Initiative die kostenlose Nutzung an, denn hier kann Schmökern, Tauschen, Leihen oder gegen eine kleine Spende auch ein Buch erwerben. Und jetzt, wo wieder Platz ist, kann man sich einfach hinsetzen und lesen. Wir freuen uns auch über Bücherspenden, denn wir versuchen, für alle zugänglich Literatur anzubieten. Demnächst planen wir wieder eine kleine Veranstaltung und haben auch schon wieder ein paar Bücher für die Tafel in Neustadt umsonst abzugeben. Die Bücherbude ist geöffnet zu den entsprechenden Öffnungszeiten der Apotheke, denn hier kann man auch lesen, was gesund macht.
Gospelcontact
676. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.4.2011
Kaum sind die letzten Klänge von “Bordenau macht Musik“ verklungen, da lassen sie schon wieder singen: Mit dem hannoverschen Gospelchor “gospelcontact” am Samstagabend, dem 2.April 2011, ab 19.00 Uhr in der St.Thomas-Kirche. Und Bordenau könnte man gleich in Beethoven-now umbennen, denn das große Finale Mitte März endete furios zu den Klängen von “Freude schöner Götterfunken”, wenn auch mit einem sehr modernisierten Text. Jetzt nimmt sich “gospelcontact” der gleichen Komposition an, der in dem Film “Sister Act” mit englischem Text aufgeführt wurde und tanzt auch noch dazu: “Joyful, joyful, Lord, we adore Thee. God of Glory, Lord of Love. Hearts unfold like flowers before Thee, hail Thee as the sun above. Melt the clouds of sin and sadness, drive the dark of doubt away. Giver of immortal gladness, fill us with the light. Fill us with the light. Oh, fill us with the light of day.” Unser Gospelchor sang ja auch auf englisch, hier nun die sinngemäße Übersetzung: “ Voller Freude beten wir Dich an. Gott des Glanzes, Herr der Liebe. Wie Blumen gehen deine Herzen auf vor Dir, heil Dir wie der Sonne droben. Zerstreue die Wolken der Sünde und Traurigkeit, schick die Dunkelheit des Zweifels hinweg. Du Geber unsterblicher Freude, erfülle uns mit Licht, erfülle uns mit Licht, mit dem Licht des Tages.” Wenn das der olle Beethoven und der dichtende Schiller noch hätten erleben dürfen... Doch unter der Leitung von Darius Rossol werden die etwa 30 Sänger und Sängerinnen auf jeden Fall ihr Bestes geben, um Sie bei freiem Eintritt emotional ins Licht mitzureißen!
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Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest"(mehr Infos zu Martin Drebs)Tel. 05032-1426, FAX 05032-915202 |