Für den Fall, dass nicht jeder auf
Anhieb etwas mit Petanque anfangen kann, ist eine kurze Erklärung
vielleicht sinnvoll. Es geht darum, eine 650 bis 800 Gramm schwere Kugel
aus einem Kreis heraus möglichst nahe an eine Zielkugel, von den Spielern
"Schweinchen" genannt, zu werfen. Petanque - in Frankreich nicht
nur Sport und Freizeitvergnügen, sondern auch ein Stück Lebenskultur -
kann auf beliebigen Untergrund gespielt werden, wobei Rasen und
Asphalt aus verständlichen Gründen weniger beliebt sind. Auf Rasen rollt
die Kugel kaum, auf Asphalt rollt sid dafür um so schneller und
unberechenbarer.
Beim TSV Bordenau haben sie mit viel Mühe
und Eigenarbeit direkt neben dem Trainingsplatz der Fußballer zwei
Petanque-Plätze gebaut - mit einem Belag, wie er für Rad- oder Parkwege
benutzt wird. Für Petanque-Spieler ist diese Splittmischung in etwa das,
was der "Wembley-Rasen" für die Kicker ist. Manchmal kommt es
freilich zu Irritationen. Als Renate Kloster, Geschäftsführerin des TSV,
neulich Leute durch Bordenau führte und ihnen die Petanque-Anlage zeigte,
fragten diese:"Und was machen diese Parkplätze hier?" Auch mit
dem Begriff Petanque kann nicht jeder etwas angefangen. "Ich weiß
heute noch nicht, wie man das schreibt", sagt Werner Scholz, ein
Rentner, der es genießt, dass "ich bei diesem Sport nicht mit einer
Rückennummer auf dem Hemd durch die Gegend laufen muss". Doch warum
heißt Petanque nun Petanque? Ein kurzer Vortrag von Erich Braun, Spieler,
Trainer und Vorsitzender des Kreisverbandes, löst auch das letzte Rätsel.
Petanque, das kommt von "ped tanco", heißt übersetzt
"fester Fuß" und weist auf die wichtigste Regel des Spiels hin:
Beim Wurf müssen die Füße im Kreis fest auf dem Boden bleiben, bis die
Kugel ihrerseits den Boden berührt. Doch damit genug der Theorie, hinein
in die Praxis, und da hat sich Erich Braun, ein sympathischer Mensch, den
das Petanque-Fieber gepackt hat, etwas ausgedacht.
Auf uns wartet ein Trainingskurs mit
mehreren Stationen. Gleich die erste Aufgabe stellt uns vor eine große
Herausforderung. Vor dem Ziel, dem berühmten
"Schweinchen", hat sich die Kugel unseres Gegenspielers derart
gut platziert, dass es nur eine Chance gibt: die Kugel muss da weg - aus
sieben Metern Entfernung alles andere als ein Kinderspiel. Von zehn
Versuchen gelingt uns dieses Kunststück einmal, die Petanque-Leidenschaft
wächst. "Wer das Spiel lieben gelernt hat, den lässt es nicht mehr
los", sagt Braun. Uns geht es ähnlich, auch wenn die Liebe an
diesem Trainingstag sehr einseitig bleibt, weil die Kugel selten das
macht, was wir wollen. Zum Beispiel an der Station, an der wir sie an zwei
Dosen als Hindernis vorbei Richtung "Schweinchen" platzieren müssen.
Oder als es darum geht, sie - fast wie beim Golf - in eine kleine Dose zu
versenken, die Braun extra für den Parcours eingebuddelt hat. Unser
Vorschlag, beim nächsten Mal keine Dose, sondern einen Eimer zu
verwenden, stößt auch bei den Bordenauer "Profis" auf
Zuspruch.
Die anderthalb Trainingsstunden
vergehen wie im Fluge. Petanque macht Spaß, lässt sich bis ins hohe
Alter spielen, eine "Altherrensportart" ist es dennoch nicht.
Ballgefühl, Taktik und Wurfpräzision fordern schnell den Ehrgeiz heraus.
Und bei welcher Sportart kann man sonst ungestraft die Sau (das
Schweinchen) rauslassen?