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Unser Dorf liest

Arbeitskreis "Unser Dorf liest"

Die aktuelle Kolumne von Martin Drebs

(frühere Kolumnen finden Sie im  Archiv)

 


1223. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 6.2.2026

Winter - Fluch oder Segen?
Es gibt so viele schöne literarische Formulierungen für diese Zeit. Dabei wissen wir doch, wie hart der Winter sein kann und schon immer war, für die Krieger, die Alten. Für die ohne Heizung und für die Sonnenanbeter. Wenn wir ihn jetzt ein wenig idyllisieren, dann mit jenem Maß an Realität, das ihn einhegt:
„Er zieht das Leilach weiß und dicht
der Erde übers Angesicht“. (Ernst von Wildenbruch)

„Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.“ (Erich Kästner)

„Die Pelzkappe voll mit schneeigen Tupfen,
behäng ich die Bäume mit hellem Kristall.“
(Mascha Kalecko)

„Zärtliches Grüßen der Engel“ (Franziska Stoecklin)

Wie lange hatten wir nicht mehr so einen deutlichen Winter. Die Enkel fragen besorgt: Opa, hattet ihr früher auch so Schneekatastrophen. Der Opa antwortet: Ja, aber wir nannten es Winter. Und in der DDR grassierte früher der Witz: „Hoffentlich schneit es, dann sieht Erich (Honecker) beim Besuch die Schlaglöcher nicht.“ Also dranbleiben, genießen Sie die Zeit, denn der Frühling kommt bestimmt! Und Zeit zum Lesen bleibt auch noch! Apropos Lesen: das Team der Bücherbude Bordenau lädt für Donnerstag, den 12. Februar, ab 17 Uhr wieder in den Birkenweg 3a zum gemütlichen Austausch über Lieblingsbücher. Die Dorfwerkstatt ist geheizt und der Eintritt ist frei!


1222. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 30.1.2026

Der Mensch!
„Empfangen und genähret,
vom Weibe wunderbar;
Kommt er und sieht und höret,
Und nimmt des Trugs nicht wahr;
Gelüstet und begehret,
Und bringt sein Tränlein dar;
Verachtet und verehret;
Hat Freude und Gefahr;
Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret,
Hält nichts und alles wahr;
Erbauet, und zerstöret;
Und quält sich immerdar;
Schläft, wachet, wächst, und zehret;
Trägt braun und graues Haar;
Und alles dieses währet,
Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr.
Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder
Und er kömmt nimmer wieder.“
(Matthias Claudius, 1740 bis 1815, -> Wikipedia)


1221. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.1.2026

„Et kütt wie et kütt!“
So spricht der Kölner in seiner ihm typischen stoischen Gelassenheit. Einer der Begründer der stoischen Philosophie ist der römische Kaiser Marc Aurel in seinen faszinierenden „Selbstbetrachtungen“. Fast möchte man ihm gleichtun in dieser schwierigen Zeit: „Verbringe den Rest deines Lebens nicht in Gedanken an andere, wenn sie keine Beziehung zum Gemeinwohl haben. Denn du versäumst damit die Erfüllung einer anderen Pflicht, wenn du deinen Geist damit beschäftigst, was dieser oder jener tut und warum, was er sagt, was er denkt oder vorhat, was dich von der Beobachtung deiner regierenden Vernunft abzieht. Du musst also aus deiner Gedankenreihe jeden Zufall, jedes Unnütze, jede Neugier und jede Arglist verbannen, musst dich gewöhnen, nur solche Gedanken zu haben, dass, wenn man dich plötzlich fragt, woran du denkst, du freimütig antworten kannst: An dies oder das; so dass man an deinen Gedanken erkennt, dass alles Einfachheit und Wohlwollen ist, wie es einem geselligen Wesen geziemt, dass du nicht an bloßes Vergnügen oder irgendeinen Genuss denkst, nicht an Hass, Neid, Argwohn oder sonst etwas, dessen Geständnis dich schamrot machen müsste. Ein solcher Mann, der nichts versäumt, sich in der Tugend zu vervollkommnen, ist wie ein Priester und Diener der Götter, innig vertraut mit der Gottheit,… die ihn unbefleckt von Lüsten, unverletzbar von Schmerzen, ungebeugt von Kränkung erhält; sie macht ihn unempfindlich gegen jegliche Schlechtigkeit, macht ihn zum Helden im größten aller Kämpfe, über alle Leidenschaften zu siegen, tief durchdrungen von Gerechtigkeitsliebe, im Grunde seines Herzens alles willig hinnehmend, was ihm zustößt und zuteilwird.“ Na dann: „Et hätt noch immer jut jegangen“


1220. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 16.1.2026

Reinhard Mey hätten wir gern dabey!
Vor allem, wenn es um die neue Wehrpflicht geht. In seinem 1986 veröffentlichten Lied „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ (-> Wikipedia) zeigt er sich als persönlich-politischer Vater dafür verantwortlich, seine Söhne nicht dem Militärdienst zur Verfügung zu stellen. Wir zitieren einen Ausschnitt:

„Ich lieb die beiden, das will ich euch sagen
Mehr als mein Leben, als mein Augenlicht
Und die, die werden keine Waffen tragen
Nein, meine Söhne geb ich nicht
Ich habe sie die Achtung vor dem Leben
Vor jeder Kreatur als höchsten Wert
Ich habe sie Erbarmen und Vergeben
Und, wo immer es ging, lieben gelehrt!
Nun werdet ihr sie nicht mit Hass verderben
Keine Ziele und keine Ehre, keine Pflicht
Sind′s wert, dafür zu töten und zu sterben.“

Doch Reinhard Mey (-> Wikipedia) wird nicht dabei sein können, bei dem Neujahrsempfang der Friedensinitiative Neustadt/Wunstorf am Freitag, dem 30. Januar im Rathaussaal in Neustadt ab 19 Uhr. Dann müssen wir selbst ran: Peter dokumentiert seine beherzten Leserbriefe, Hubert und Gerhard rezitieren aus Alfred Anderschs Desertionsroman „Kirschen der Freiheit“ und aus Robert Lowry "Die falsche Sanftmut des Schnees". Annegret und Martin bringen ein literarisches Kabarett auf die Bretter. Dazwischen jede Menge ambitionierter Lieder. Und drumherum viele Info-Stände der Zivilgesellschaft. Anmerkung der Redaktion: Die Namen der Mitwirkenden sind ähnlich wie bei Berichten über die Bundeswehr nurmehr als Vornamen präsent!


1219. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 9.1.2026

Du gehst mir literarisch ganz schön auf den Keks!
Eine bislang unterschätzte Textgruppe sind die sogenannten Glückskekstexte. Die kennen Sie doch beim Chinesen oder an Silvester. Sprachlich haben diese Texte die Eigenheit, allgemeine Weisheiten so anzusprechen, dass sie fast immer irgendwie richtig liegen - ähnlich wie bei Horoskopen. Beispiel: „Du hast einfach Kraft, setze sie auch ein, dann erreichst du dein Ziel.“ Jemand muss diese Worte auch formulieren: die Glückskeks-Texter, die die kleinen Weisheiten und Botschaften für die Innenzettel von Glückskeksen schreiben. An Silvester stießen wir auf einen solchen, etwas gehaltvolleren Text! „Beurteile nicht alles nach seinem Wert. Ein Schluck Wasser in der Wüste ist mehr wert als der größte Diamant. Ein schönes Wort im richtigen Augenblick ist wichtiger als das gesamte Wikipedia. Urteile nach der Sinnhaftigkeit. Oft sind es die Kleinigkeiten, die große Unterschiede machen“ Dieser Text hatte sogar einen Autorennamen: Walter Wemmer. Meist sind die Texte anonym, ohne Autor. Und so könnte „ein schönes Wort im richtigen Augenblick“ zum Jahresmotto dieser Kolumne werden!


1218. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.1.2026

Wie wird das neue Jahr? Ein literarisches Rätsel!
Von guten Mächten treu und still umgeben
behütet und getröstet wunderbar
so will ich diese Tage mit euch leben
und mit euch gehen in ein neues Jahr.…

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Auch der Zorn über das Unrecht
Macht die Stimme heiser. Ach, wir,
Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht freundlich sein.

Ich wünsche mir Zeit
Und vorerst bleibt nur das Sehnen,
Worte, die sich berühren.


1217. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 19.12.2025

Hochverehrte Leserschaft!
Machen wir es kurz, denn Sie haben genug gelesen. Wir sagen Danke für Ihre unbegreifliche Treue in unsere kleine literarische Kolumne, die die Neustädter Zeitung so sorgfältig pflegt. Bleiben Sie stark, genießen Sie die vielen Büchergeschenke zu Weihnachten. Wir wünschen ein gutes neues Jahr. Und lesen Sie bitte weiter!


1216. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.12.2025

Achtung: Weihnacht naht!
Kurz vor dem Fest sind die Pakete verschickt, der Baum geschmückt, jetzt gilt es, sich um die Inhalte zu kümmern.... Das Fest selbst, ohje, die Geburt des Christuskindes. Was machen wir denn da? Da gehen wir einfach für zwei Euro zu einer besonderen Lesung mit gregorianischer Musik ins Café im Ackerbürgerhaus, und zwar am Montag, dem 22. Dezember um 17.00 Uhr: „Der Großinquisitor - Eine Phantasie“ aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ von Fjodor Dostojewski. Iwan Karamasow erzählt seinem Bruder Aljoscha diese Geschichte: Jesus erscheint im Sevilla des 16. Jahrhunderts, wo gerade die Inquisition stattfindet. Das Volk erkennt Jesus, der wieder Wunder vollbringt, und ebenso der greise Kardinal-Großinquisitor, der ihn im Kerker festsetzen lässt. In der Nacht tritt der Großinquisitor in das Verlies und beschuldigt Jesus in einem langen Monolog, dass er kein Recht habe, auf die Erde zurückzukommen und „die Ordnung zu stören“, welche die römisch-katholische Kirche in über tausend Jahren errichtet habe. Nach der Lesung – mit Gerhard Biederbeck und Martin Drebs - blickt man intensiver auf das kommende Fest. Um es mit Worten Dostojewskis zu sagen: „Wenn man den Glauben an Christus mit den Zielen dieser Welt vereint, dann verliert man den ganzen Sinn des Christentums."


1215. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 5.12.2025

Nur ein Weniges noch!
Und wir werden die Bäume leuchten sehn
Nur ein paar Tage noch
Und der Marmor wird wieder weiß bedeckt sein
Wir könnten wieder einen neuen Anfang spüren
Nur ein Weniges noch
Und das Jahr rundete sich.


1214. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 28.11.2025

Da machste ganz schön was mit!
Also, das war schon eine heftige Tortur, als die mich da aus dem Museum in Güstrow abgeholt haben. Meine Chefin hatte einer Ausleihe zugestimmt, und so musste ich koppheister in den Kleinwagen, auch noch elektrisch, und dann noch viele Stunden Fahrt nach Bordenau, erst noch ein Foto für die Neustädter Zeitung, obwohl ich ja nicht der echte bin. Ein paar Tage stand ich zwar versichert, aber ohne Aufsicht noch rum, bis es endlich losging, und ich auf der Bühne mitten unter all den anderen Künstlern saß. Immerhin hat mir der eine oder andere auch mal beruhigend die Hand auf die Schulter gelegt. Das hat gutgetan. Und dann war es doch sehr erfolgreich, viele wollten ein Foto mit mir drauf. Leider wieder die Tour zurück, diesmal mit dem Komiker alleine im Auto, und er versuchte wieder vergeblich, mit mir ins Gespräch zu kommen. Aber jetzt kommt´s! Ich komme wieder, und zwar in meiner größten Rolle. Auf nach Sansibar oder zum letzten Grund! Der Roman von Alfred Andersch wurde nämlich 1987 von Bernhard Wicki kongenial verfilmt, und da durfte ich in zentraler Rolle mitspielen. Jetzt zeigt das Cinema Neustadt den Film am Mittwoch, dem 3. Dezember, ab 19.30 Uhr im Veranstaltungszentrum. Und vielleicht sitze ich auch in der letzten Reihe bei euch. Wir sehen uns! Euer lesender Klosterschüler, gestaltet von Ernst Barlach, also als Nachbildung für den Film.


1213. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 21.11.2025

Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens auf ewig!
So heißt ein Album der Singersongwriterin Ulla Meinecke (-> Wikipedia). Und wir schweben zwischen Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag. Immer hat es die Menschen fasziniert, so etwas wie eine Ewigkeit zu denken! Zahlreiche Buchtitel zeugen davon: „Das Land der süßen Ewigkeit“ von Harper Lee, „Auf der Suche nach der Ewigkeit“ von Martin Heyden, „Ein Kuss für die Ewigkeit“ von Sandra Brown, „Hunde, wollt ihr ewig leben?“ von Fritz Wöss. Was ist das eigentlich für ein Wort? Ewig! Der Duden verweist auf seine Herkunft: mittelhochdeutsch ēwic, althochdeutsch ēwig, zu: ēwa = Ewigkeit, und bittet zum Vergleich mit „Ehe“. Dann sind auch die Bedeutungen verständlicher: zeitlich unendlich; unvergänglich, zeitlos, zum Beispiel „das ewige Leben“; oder die Zeiten, den Wechsel überdauernd, immerwährend, immer bestehend, zum Beispiel „für immer und ewig“; oder sich immer wiederholend; endlos, übermäßig lang dauernd, nicht endend zum Beispiel „ewig und drei Tage“. Es bleibt faszinierend, sich zum Beispiel so etwas wie „das ewige Leben“ vorzustellen. Auch diese Kolumne könnte ewig dauern; zumindest jenen kleinen Augenblick, in dem Sie dies hier gelesen haben! Dankeschön! Und lesen Sie weiter! Ach übrigens, dieses Wort gehört zum Wortschatz des Goethe-Sprach-Zertifikats B1.


1212. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 14.11.2025

HERBSTZEIT!
Barbara Weißköppel aus Kleinheidorn schickt uns mal wieder ein Gedicht in ihrer typischen „Großbuchstabenschreibweise“. Nebenbei gratulieren wir zum 91. Geburtstag.
„DURCHSICHTIG WIRD
DIE WELT, EHE
ES DEM WINTER
GEFÄLLT, SIE MIT
STURM, WIND UND
REGEN
IN SCHLAF ZU
SINGEN, ZU WIEGEN,
SIE SANFT IN
NEBEL ZU HÜLLEN,
MIT SCHNEE ZU
BEDECKEN, UM
SIE IM FRÜHLING
MIT VOGELGESANG UND
BIENENGESUMM
WIEDER INS
LEBEN ZU WECKEN.“


1211. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 31.10.2025

Storm kann mehr als neblig!
Theodor Storm war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller seiner Zeit; besonders beliebt sind seine stimmungsvollen herbstlichen Gedichte. Doch Storm kann auch anders, vor allem in seinen Jugendjahren. Das erste überlieferte Gedicht Storms datiert vom 1. Juli 1833. Die Überschrift: „An Emma“. Es war seine Jugendfreundin, die von der Insel Föhr auf Besuch war. Sie waren verliebt ineinander und hatten sich mehrfach heimlich hinter der Küchentür geküsst. Er schreibt: „Junge Liebe. Ihr Aug ist blau, nachtbraun ihr lockicht Haar, ein Schelmenmund, wie jemals einer war, ein launisch Kind; doch all ihr Widerstreben bezwingt ihr Herz, das mir so ganz ergeben. Schon lange sitzt sie vor mir, träumerisch mit ihren Beinchen baumelnd, auf dem Tisch. Nun springt sie auf; an meines Stuhles Lehne hängt sie sich, schmollend ob der stummen Szene. „Ich liebe dich!“  - „Du bist sehr interessant!“ – „Ach, das ist längst bekannt! Ich liebe Geschichten, neu und nicht erfunden – erzählst du nicht, ich bin im Nu verschwunden.“ …“ Weiteres Biographisches mit nordischen Häppchen und einem Gläschen „Küsten Nebel“ bei der Herbstlesung: Theodor Storm (1817-1888) am Montag, 10. November 2025 um 14.45 Uhr in der Dorfwerkstatt Bordenau, Birkenweg 3a. Es lesen Johanna Korte, Ulla Domke und Werner Schmidt zu sanfter Musik auf dem ‚Handpan‘ durch Andrea Korte. Eintritt frei, Anmeldung erbeten.


1210. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 24.10.2025

Wir lesen auch Historikerbücher!
Immerhin war der erste deutsche Literaturnobelpreisträger mit Theodor Mommsen ein Historiker. Auch Bordenau schätzt seinen Dorfchronisten Dr. Werner Besier. Und jetzt Karl Schlögel als Preisträger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2025 - "als Wissenschaftler und Flaneur, als Archäologe der Moderne, als Seismograf gesellschaftlicher Veränderungen" im Osten Europas, wie es in der Preisurkunde heißt. Zum Beispiel sein 1984 erschienenes Buch: „Moskau lesen“. Die Medien stürzen sich bei dem Osteuropaexperten jetzt besonders auf seine Putin-Kritik: Es gäbe mehr Russlandversteher als Russlandkenner, und manche halten den jetzigen Ukrainekrieg für die Fortsetzung des großen vaterländischen Krieges seinerzeit. Dabei stellt sich Schlögel gegen alle autokratischen Regimes diesseits und jenseits des Atlantiks, erinnert auch an die Kriege in Nahost und Sudan. Doch sein eigentliches Ziel sei es, „über Staatsgrenzen hinwegzuschauen, festgefahrene Vorurteile aufzulösen, sich dem Unwissen entgegenzustellen“, so die ukrainisch- deutsche Schriftstellerin und Lobrednerin Katja Petrowskaja. Auf der Homepage des Börsenvereins heißt es dazu weiter: „Das tue er durch Reisen, mit akribischen Archivarbeiten und durch direkte Begegnungen mit Menschen. Sie spricht über Schlögels Erfahrungsbereitschaft, seine „Fähigkeit zu beobachten und die Welt mit allen Poren aufzusaugen“. Thematisch habe Schlögel sein Leben der Erforschung des mittleren und östlichen Europas gewidmet. Dabei habe er große Bücher verfasst, die „wie Symphonien aufgebaut seien, mit einer sich fortbewegenden sogartigen Intonation.“ Als Mensch sei er für sie und für viele andere Ukrainer „zu einer Stütze, zum Inbegriff von Standhaftigkeit, jenseits der ideologischen Fallen“ geworden.“ Und sie sprach einen versöhnenden Satz über die russische Bevölkerung, die mit ihrer Warmherzigkeit vielen deutschen Kriegsgefangenen geholfen hat. Und das weiß auch der Verfasser dieser Zeilen; mein Vater verkaufte in georgischer Kriegsgefangenschaft selbstgebaute Kreisel, und die Menschen versorgten ihn mit Brot! Schauen Sie bitte die Preisverleihung in der Paulskirche nochmal in der Mediathek an und bilden sich ihr eigenes Urteil. Wir lesen jedenfalls weiter: Karl Schlögel „Auf der Sandbank der Zeit!


1209. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.10.2025

Lass es Träume regnen!
Das Singersongwriter-Duo mit der Neustädterin Catherina Eggers und mit dem Neu-Neustädter Klaus Peter Nies ist seit vielen Monaten im Neustädter Land mit „Klangwindpoesie“ unterwegs. Jetzt schlagen sie ihre Lieder zur Gitarre am Goldenen Sonntag, 19.Oktober, ab circa 13.00 Uhr am Markt auf.
„Ich wünschte, es würde Träume regnen
Was wäre, wenn du nicht mehr träumen könntest?
Stell dir vor, alles wär leer und kalt.
Ein Meer aus Tränen füllt das Herz in jeder Nacht
Stell dir vor, der Regen kommt bald
Ich wünschte, es würde Träume regnen.
Ströme aus Licht ergießen sich über mein Dach
Lebendige Schatten tanzen auf meinem Meer
Trommeln aus Wasser geben den Takt
Stell dir vor, es würde Träume regnen
Im Strom der Erinnerung füllt sich mein Glas
Lebendige Schatten tauchen ein ins satte Grün
Stell dir vor, der Regen kommt bald
Wie fühlt es sich an, wenn du Träume lebst?
Ich wünschte, es regnet bald
Ruhiger Takt, sanfte Träume aus Staub
Ein Hauch von Frieden, ich atme tief ein
Ein Sonnenstrahl bricht im Tropfen des Glücks
Farbenspiele aus Hoffnung, wärmendes Licht
Ich wünschte, es würde wieder Träume regnen
Ein Farbenspiel der Hoffnung umgibt mein Dach
Geborgen und mutig schlägt mein Herz im ruhigen Takt.
Ich wünschte, es würde wieder Träume regnen.“


1208. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 10.10.2025

Mieter wollen immer größere Haustiere!
Maryna Bryzhko aus Neustadt schreibt an ihren Vermieter! „Ich wende mich heute mit einer etwas ungewöhnlichen Bitte an Sie. Ab Mitte Oktober möchte ich ein Haustier halten, und zwar ein Nilpferd. Damit mein neuer Mitbewohner sich wohlfühlt, sind ein paar Veränderungen in meiner Wohnung notwendig. Zuerst brauche ich mehr Platz. Ich schlage daher vor, meine Wohnung mit der Nachbarwohnung zu verbinden. Die Nachbarn können gerne ausziehen. Ein Nilpferd ist nicht nur groß, sondern auch ziemlich laut, wenn es durch die Zimmer stampft. Außerdem wünsche ich mir ein Schwimmbecken im Wohnzimmer, damit mein Nilpferd regelmäßig baden kann. Auf der Terrasse und dem Balkon sollte viel Grün wachsen, denn mein Haustier liebt frisches Gras, Gemüse und süße Früchte. Die Wände der Wohnung möchte ich in natürlichen Farben streichen lassen, damit es wie eine afrikanische Savanne wirkt. Sehr wichtig ist auch die richtige Temperatur. Bitte stellen Sie die Heizung so ein, dass es immer angenehm warm bleibt. Mein Nilpferd friert leicht und ist nur in tropischem Klima glücklich. Zur Unterhaltung sollte ein Lautsprecher installiert werden, über den mein Nilpferd abends Mozart hören kann. Außerdem liebt es auch, mit dem Gartenschlauch geduscht zu werden. Vielleicht können wir das Badezimmer entsprechend umbauen. Ich hoffe, Sie haben Verständnis für meine besondere Situation und können meine Wünsche in den Mietvertrag aufnehmen. Mit freundlichen Grüßen“


1207. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 2.10.2025

Verfrühte Auslieferung – verspätete Nation!
Ja, was ist denn da los? Die Neustädter Zeitung wird schon am Donnerstag ausgeliefert! Ach so, Freitag ist Feiertag. Was denn für ein Feiertag? Der Tag der deutschen Einheit. Na, dann hier zur Erinnerung die die dritte Strophe der Deutschlandhymne: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland! Danach lasst uns alle streben, brüderlich mit Herz und Hand!“ Anmerkungen der Redaktion: Die dritte Strophe des Deutschlandlieds wird gesungen, weil der Text der ersten beiden Strophen, die von nationaler Überlegenheit sprechen, während des Nationalsozialismus missbraucht und daher heute als verpönt gilt. Die dritte Strophe hingegen drückt den Wunsch nach Einheit, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit aus, was sie zu einer geeigneteren Wahl für die Nationalhymne der modernen Bundesrepublik Deutschland macht. Diese Entscheidung wurde 1952 von Bundespräsident Theodor Heuss und Bundeskanzler Konrad Adenauer und später 1991 von den damaligen Spitzenpolitikern Richard von Weizsäcker und Helmut Kohl bestätigt. „Die verspätete Nation“ (Untertitel: „Über die politische Verführbarkeit bürgerlichen Geistes“) (-> Wikipedia) lautet der Titel eines zentralen Werkes des Philosophen und Soziologen Helmut Plessner (1892-1985) (-> Wikipedia). Im Jahr 1935 erstmals in der Schweiz erschienen, wurde es 1959 in der Bundesrepublik veröffentlicht. Danach hat sich die deutsche Nation im Vergleich zu den anderen erst spät gebildet quasi „verspätet“.


1206. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 23.9.2025

Barlach und Bordenau – Arm in Arm!
Vor 25 Jahren erschien hier an dieser Stelle in der Mittwochsausgabe der Neustädter Zeitung vom 4.10.2000 eine Theaterkritik unserer großen FAUST-Lesung vom 3.10.2000. 15 Stunden dauerte diese an dem Dienstagabend davor bis 22 Uhr, also circa zehn Stunden vor dem Erscheinen der Zeitung. Wie war das möglich? Hatte die Neustädter Zeitung ihr Erscheinen hinausgezögert und nachts den Artikel fertiggemacht? – Nein! Einige Wochen vor der Aufführung hatte der Projektleiter, Martin Drebs, es gewagt, eine Art „Theaterkritik“ zu schreiben, die die Ungeheuerlichkeit des Unternehmens noch überhöhen sollte. Ein gewisser Marzel Reisch-Ranitzi gab sein fiktives Pseudonym dazu. Dokumentiert ist diese gefälschte Autofiktion auf Bordenau.de unter Kolumnen am 4.10.2000. Das haben wir diesmal nicht nötig für unsere Lesung am 3.10.2025. Die Presse ist geladen und hat genug Zeit, sich ein eigenes Bild davon zu machen. Denn wie könnten die Überschriften lauten? Barlach und Bordenau – Arm in Arm! "Lesender Klosterschüler" hilft weltoffenen Vorlesern zu erfolgreichem Lesemarathon. Gut für die Kondition, dass Andreas Hagemann wieder die passende Musik dazu macht!


1205. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 17.9.2025

Nu benimm dich voll daneben oder der Anti-Knigge von Neustadt!
Das Dedekind-Jahr ist noch nicht vorbei. Gemeint ist Friedrich Dedekind, der vor 500 Jahren in Neustadt am Rübenberge geboren wurde und europäische Berühmtheit mit seinem moralsatirischen Werk „Grobianus“ erlangte. Es handelt sich gewissermaßen um einen „umgedrehten Knigge“: In 2400 humorvollen Versen wird eine umfassende Anleitung gegeben, wie man sich in puncto Tischsitten, Hygiene und Umgangsformen von früh bis spät danebenbenimmt – um die Leser vom Gegenteil zu überzeugen. Die Neustädter Lehrerin Sabine Lorenz hat sich gefragt, wie müsste ein heutiger „Daneben-Benimm-Ratgeber“ aussehen. „Eine groteske, satirische Überzeichnung der Umgangsformen des 21. Jahrhunderts? In altmodischen Knittelversen? So zum Beispiel zum Thema „Handy“, das ja nur scheinbar für die Verbindung von Menschen sorgt… - Wir alle haben Bilder von Menschen vor Augen, die nichts anderes mehr sehen als ihr Handy, ob sie nun den Kinderwagen schieben oder im Bus oder beim Essen sitzen.

In Bus oder Bahn
Schau niemanden an,
nimm gleich dein Handy vors Gesicht
scher dich um die anderen nicht.
Konzentrier dich allein aufs Telefonieren,
brüll in den Hörer, als sprächest du mit Stieren.
Hauptsache, ein jeder hört mit
Was du erzählst für einen Shit.
Und: Sitzt du am Tisch mit anderen zum Essen,
darfst du dein Handy nicht vergessen.
Denn spricht dich jemand an, will wissen,
ob’s dir schmeckt,
so sag: das Netz hier ist beschissen.“


1204. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 12.9.2025

Neues aus Sansibar!
Wir reisen mit unserer Lesung am 3.10. ab 15 Uhr im DGH zu Alfred Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“; das wissen Sie ja schon. Aber es tut sich was rund um die Lesung. Im Zentrum des Romans steht die Skulptur „Der lesende Klosterschüler“ von Ernst Barlach. Jetzt hat das Museum der Ernst Barlach Stiftung in Güstrow zugesagt, uns die Skulptur als Modell für die Lesung zu leihen. Er wird also mittendrin sein. Und: Das Cinema Neustadt zeigt am Mittwoch, dem 3.Dezember, die kongeniale Verfilmung von Bernhard Wicki von 1987! Das ist natürlich die richtige Reihenfolge: erst selbst lesen beziehungsweise vorgelesen bekommen, sich eigene, innere Bilder von den Helden machen. Und dann erst ins Kino! Und: An dieser Stelle unserer literarischen Kolumne suchten wir vor Wochen nach einem jungen Menschen, der uns die Figur des Schiffsjungen vorstellen könnte. Jetzt haben wir sie gefunden, die theatererfahrene Pädagogin Bahar Kruse, die selbst sagt, die Rolle sei ihr wie auf den Leib geschrieben, auch sie liebe den Freiheitsdrang. Und: Nach seinem erfolgreichen Konzert im Kloster Chorin kann sich Musiker Andreas Hagemann weiter auf Sansibar konzentrieren. Auch er hat geplant, den Freiheitswillen des Jungen musikalisch auszudrücken mit „Übers Meer“ von Rio Reiser. Die anderen Protagonisten werden wohl ebenfalls leitmotivisch unterstützt. Dazu kommt eine gehörige Portion zeitgenössischer Lieder der Dreißiger Jahre. „Davon geht die Welt nicht unter!“ Also auf nach Sansibar. Wo liegt das? An der Leine in Bordenau!


1203. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 29.8.2025

Lyrische Wasser!
Ulrike Ostermann, ehemalige Gästeführerin Neustadts, hat schon im letzten Jahr ein außergewöhnliches Buch herausgebracht: „Neustadt am Rübenberge – Ein lyrischer Stadtspaziergang.“ Dafür hat sie selbst besondere Punkte in der Stadt eindrucksvoll fotografiert und dazu mit ihrem großen Wissen auch eigene lyrische Gedichte getextet: Von der Liebfrauenkirche über das Löwentor zum Wasserfall. Und dieser Fluss verbindet auch unser Bordenau mit diesem Büchlein:
„Die Leine, es ist allseits bekannt,
schlängelt durch das Neustädter Land.
Es rauscht das Wasser in der Leine,
strömt tosend hinab über zahlreiche Steine.
Die Schifffahrt hatte es einstmals schwer,
und so fahren Schiffe schon lang nicht mehr
im Handelsverkehr hier auf dem Fluss.
Doch bietet ´ne Flussfahrt trotzdem Genuss,
so paddelt manch Kanute vergnügt,
bis in den Mühlenkanal er abbiegt,
dabei genießt er auf seiner Tour
dahingleitend Stille und Natur.“
Da hat er aber die vielen schönen Stellen, wo Leine und Bordenau sich berühren, längst passiert.


1202. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 22.8.2025

Aufmerksamkeit ist alles!
Ich bringe den Müll weg. Im Vorgarten strahlen mich die gelben Blumen an. Eine nickt mir freundlich zu, und ich erwidere den Gruß mit einem Lächeln. Daraufhin beginnt eine andere Blume ebenfalls leicht im Wind zu wackeln und verfängt sich in meinem Blick, auch sie grüße ich formvollendet. Aufmerksamkeit ist eben entscheidend. Und wer möchte sie nicht gerne immer? Da wundert es doch einen normalen Leser, wie in der Bücherbranche plötzlich so manche Autoren ganz vorne sind und stark beworben werden: Verlegerische Marketing-Meister-Leistungen! Irgendein besonderes Jubiläumsjahr finden sie immer. Letzte Woche vor 70 Jahren ist der Schriftsteller Thomas Mann gestorben; kennen Sie vielleicht. Also gut, machen wir ein Thomas-Mann-Jahr daraus und verscherbeln nochmal gewinnbringend die „Buddenbrooks“, den „Zauberberg“ und die „Bekenntnisse des Felix Krull“. Denn nach 70 Jahren endet das sogenannte Urheberrecht am geistigen Eigentum, danach wird das ganze Werk gemeinfrei, dann kann das es ohne Einschränkungen genutzt, vervielfältigt, verbreitet oder verändert werden. Bis dahin verdienen aber die Erben noch tüchtig; eine gute Sache, das mit dem geistigen Eigentum, eine kulturell patente, dem bürgerlichen Erbrecht geschuldete Regelung von 1902! Darunter fällt nicht diese fast dreißigjährige Kolumne, immerhin jede Woche ein kulturell-literarisches Fenster, um solche Texte zu platzieren. Dankeschön! Apropos Aufmerksamkeit: „Bordenau liest“ am 3. Oktober ab 15 Uhr im DGH „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch, im deutschsprachigen Raum - laut dem Diogenes Verlag die einzige Lesung dieses Romans überhaupt in diesem Jahr. Aber davon wissen die vielen gelben Blumen im Vorgarten nichts! Aber Sie jetzt!


1201. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 15.8.2025

Empfindsamer Scharnhorst!
Das Scharnhorstkomitee Bordenau veranstaltet am Sonntag, dem 24. August, ab 14 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus eine musikalisch-literarische Feierstunde zu Gerhard von Scharnhorst 270. Geburtstag. Annegret Scholz und Martin Drebs von „Bordenau liest“ werden unter anderem aus Scharnhorstbriefen an seine Frau und seine Tochter vorlesen. Historiker Sven Scharnhorst wird sie geschichtlich einordnen. In den Briefen wird deutlich, dass auch ein Militarist sehr empfindsam sein kann. Hier ein Ausschnitt aus einem Brief vom 21. April 1783 an seine Frau: „Wenn ich dich mit unsern lieben Kindern eine halbe Stunde nur sehen könnte, dafür gäbe ich alles, was ich nur, ohne daß es Euch abginge, geben könnte! Wie unendlich lieb ich Dich, meine liebe Frau habe, weiß ich erst jetzt, wo mir Dein Traurigsein immer vor Augen ist. Wenn ich nur einmal wieder bei Euch sein könnte, dann wollte ich alles wohl ertragen, dünkt mir. Wenn ich nur jetzt erst wüßte, daß du und die Kinder gesund wären, so könnte ich doch ohne Furcht und ohne fatale Vorstellungen an Euch denken. – Ich bin gesund, ich nehme mich aber in allem Betracht äußerst in Acht, und das werde ich immer tun, so viel es die Ehre leidet.“ Anmerkung der Redaktion: „Bordenau – Unser Dorf liest“ hat im EXPO-Jahr 2000 schonmal Briefe von Scharnhorst gelesen; Titel: „Ich bin nicht zum Soldaten gemacht!“


1200. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 8.8.2025

Kleine literarische Reisekunde in die Schweiz!
Haben Sie den 1.August, den Gründungstag der "Confoederation Helvetica" verpasst? Kein Problem; alljährlich erinnert man sich an den sogenannten Rütli-Schwur. Die Rütliwiese, eine schöne Wiese am Vierwaldstättersee, wird als Schauplatz des Schwurs angesehen. Vertreter der drei Urkantone Uri, Schwyz und Unterwalden sollen sich dort Anfang des 14.Jahrhunderts getroffen haben, um einen Bund zu schließen. Während der Frühmoderne spielte er als Gründungslegende der Alten Eidgenossenschaft eine wichtige Rolle und wurde seit dem 19. Jahrhundert als Nationalmythos der Schweiz ausgebaut. Unser Friedrich Schiller - übrigens 1791 vom französischen Nationalkonvent zum Mitbürger erwählt – hat dazu mit seinem „Wilhelm Tell“ das Drama der schweizerischen Befreiung geschrieben. Am Ende der Versammlung auf dem Rütli sagt der Pfarrer Rösselmann (eine von Schiller eingeführte Figur): «Lasst uns den Eid des neuen Bundes schwören» und spricht die Eidformel vor. Ihr Wortlaut wurde in der Schweizer Nationalromantik fast sprichwörtlich:
„Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern,
in keiner Not uns trennen und Gefahr.
Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,
eher den Tod, als in der Knechtschaft leben.
Wir wollen trauen auf den höchsten Gott
und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen.“
Allso dann: Gute Reise!
Anmerkung der Redaktion: Der Autor dieses Reiseberichtes spielte 1960 zusammen mit Marius Müller-Westernhagen am Düsseldorfer Schauspielhaus in Schillers Stück mit!


1199. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 1.8.2025

Kreuz-Wort-Rätsel!
Wörtergrund mit sechs Buchstaben? S-T-I-L-L-E
Dampfmaschine – Telegraph - Auf zum Mond im künstlichen Kosmos.
Buchdruck – Computer – Künstliche Intelligenz im Sonnenglanz.
Immer mehr, immer schneller
laufen die Neuigkeiten um die Welt, und reißen dich mit weg.
Die Himmel sind zerbrochen, die Wörter sind vertrieben,
vergeblich suchen wir nach einem Obdach für das gestürzte Haus.
Nur die Stille tritt noch ein: Stille/Still/Stil/Sti/St/S. Pssst!
(Paul Cornelius)


1198. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 25.7.2025

Sansibar – ein Sehnsuchtsort!
„Der Mississippi wäre das Richtige, dachte der Junge, auf dem Mississippi konnte man einfach ein Kanu klauen und wegfahren, wenn es stimmte, was im Huckleberry Finn stand. Auf der Ostsee würde man nicht sehr weit kommen…“ So beginnt der Roman „Sansibar oder der letzte Grund“ von Alfred Andersch! Und der Junge sucht weiter nach Gründen, um dieses langweilige Ostseedorf Rerik verlassen zu können: „Man musste Rerik verlassen, erstens, weil in Rerik nichts los war, zweitens, weil Rerik seinen Vater getötet hatte, und drittens, weil es Sansibar gab, Sansibar in der Ferne, Sansibar hinter der offenen See, Sansibar oder den letzten Grund.“ Dann will er aus der Lektüre der Bücher raus ins wirkliche Leben: „Die Bücher sind prima, aber sie stimmen alle nicht mehr, so, wie es in den Büchern zugeht, so geht es heute nicht mehr zu…“ Als sein Kapitän Knudsen den „Lesenden Klosterschüler“ von Ernst Barlach nach Schweden vor den Nazis in Sicherheit gebracht hat, traut er sich endlich: „Ich bin raus, dachte er…(Doch) erst wenn Knudsen abgefahren ist, … bin ich wirklich frei…“ Wird er zum Boot zurückkehren oder weiter nach Sansibar „sehnsuchten“? Erfahren Sie das spannende Ende bei unserer Lesung am 3.Oktober in Bordenau! Für den Jungen suchen wir zurzeit noch einen jugendlichen Lesenden! Bitte meldet Euch bei martin.drebs@gmail.com!


1197. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 18.7.2025

Katzen hören gerne Hundegeschichten!
Dieser Tage ging durch verschiedene Medien, dass Kinder Katzen Geschichten vorlesen. Das tut den Kindern gut, wenn sie laut lesen und merken, es hört jemand zu, und die Katzen scheinen gerne zuzuhören. Der NDR berichtete: „Das Projekt ist für Tierheim und Kinder kostenlos. Die Betreuerinnen werden vom Landkreis gestellt. Eine Win-Win Situation, von der auch die Katzen profitieren, sagt die Leiterin des Tierheims (von Drakenburg) Megan Foster: "Man merkt, dass die Katzen neugierig werden, selbst die ein bisschen schüchternen Tiere, wenn sie sehen, dass die Kinder da ruhig im Gehege sitzen." Auch Zoe freut sich, dass sie den Katzen etwas zurückgeben kann. "Man zeigt den Katzen, dass sie auch wertgeschätzt werden und nicht allein sind und dass es auch Leute gibt, die nett sind und einem helfen wollen." Nun ist das eine tolle Sache, wenn kaum mehr Menschen, diese „Tiere in Tüchern“ (Alfred Döblin) zuhören können, und so wird daraus vielleicht auch ein Zukunftsprojekt für unser Lesen wollendes Bordenau: Wir könnten den Rindern auf der Weide Geschichten von Vegetariern vorlesen, unseren Wellensittichen Berichte über die Freiheit am Vogelhimmel, den Hunden werden wir ganz leise vorlesen, dass sie ruhig werden und ausgeglichen, ja und den Katzen kann man eigentlich alles vorlesen: jetzt haben wir beim Tierheim nachgefragt, ob sie am 3.Oktober zu unserer großen Lesung von Alfred Anderschs „Sansibar oder der letzte Grund“ verschiedene Tiere – natürlich in Käfigen – vorbeibringen. Anderseits bräuchten wir dann für diesen Titel auch Tiere aus Afrika, Löwen, Elefanten zum Beispiel. Aber mit welcher Geschichte begeistert man Elefanten?


1196. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 11.7.2025

Pillensortieren mal anders!
Der 81jährige Neustädter Autor Wilfried Benthin, bekannt aus zahlreichen Lesungen im Nicolai-Stift, versucht seine Pillen zu sortieren: „In meinem Alter ist die Gesundheit nicht mehr die allerbeste, deshalb helfen Medikamente, die Lebensqualität soweit es geht zu erhalten. Nun haben die Pillen aber die Eigenschaft, rund zu sein und gut rollen zu können. So auch vor einigen Tagen: Ich sortierte mein Sortiment für die nächsten Tage, als eine braune Pille das Weite suchte, vom Tisch rollte und auf dem Teppich landete. Sie war so getarnt, dass ich sie nicht finden konnte, also musste ich auf die Knie und suchen. Das ging widererwarten gut. Da sich Licht strahlenförmig verteilt, war es unter dem Tisch nur diffus beleuchtet. Eine kleine Taschenlampe lag außerhalb meines Aktionsbereiches, aber mit Mühe bekam ich sie doch zu fassen. Dabei stieß ich mit dem Kopf gegen die Unterseite der Tischplatte, und das genau an der Stelle, wo sich die Verriegelung für die Erweiterung der Platte befand. Ich tastete nach der Macke und bekam rote Finger. Scheiß Tablette. Auf allen vieren kroch ich suchend weiter und hatte den Ausreißer schließlich gefunden. Nun hieß es aufstehen! An einem Stuhl wollte ich mich wieder hochziehen, doch inzwischen hatte ich einen gehörigen Krampf im linken Bein. Mit dem linken Ellenbogen auf dem Tisch und der rechten Hand an der Stuhllehne wollte ich mich nun aufrichten. Das rechte Bein anwinkeln und nach oben drücken war mein Plan, aber leichter gedacht als getan. Die Schmerzen konnte ich kaum aushalten. Schließlich legte ich mich ausgestreckt auf die Erde, bog den linken Fuß Richtung Oberkörper, bis der Krampf aufhörte, drehte mich auf den Bauch und begab mich in den Vierfußstand. Mit Festhalten an der Tischplatte und der Unterstützung meiner Frau, konnte ich endlich ganz locker aufstehen. Und die Moral von der Geschichte? Wenn ich wieder meine Pillen in die Vorratsbox sortieren muss, dann setze ich mich gleich auf die Erde.“


1195. Artikel der Aktion UNSER DORF LIEST vom 4.7.2025

Sonne satt poetisch!
„Die Sonne tönt nach alter Weise
In Brudersphären Wettgesang,
Und ihre vorgeschriebne Reise
Vollendet sie mit Donnergang.
Ihr Anblick gibt den Engeln Stärke,
Wenn keiner sie ergründen mag;
Die unbegreiflich hohen Werke
Sind herrlich wie am ersten Tag.“
(Goethe)
„Wie von des Meisters Hand entfesselt Erz
Goss sich die Kraft der Sonne auf uns nieder,
Sie stürzte rot durch unser schlagend Herz
Und wuchs wie goldne Haut um unsre Glieder.“
(Ricarda Huch)
„Meine Lippen glühn
Und meine Arme breiten sich aus wie Flammen!
Du musst mit mir nach Granada ziehnv In die Sonne, aus der meine Gluten stammen...“
(Else Lasker-Schüler)


Martin Drebs, Initiator von "Unser Dorf liest" 

(mehr Infos zu Martin Drebs)

Tel. 05032-1426, FAX 05032-915202
E-Mail: Unser Dorf liest@Bordenau.de


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